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“Hochsensible Scanner – Ich bin Viele”

…oder: Warum ich es oft nicht schaffe, Dinge zu Ende zu bringen.

 

Ich, 41:

hatte bereits als Kind das Gefühl, nichts wirklich zu können, hatte ständig zahlreiche Ideen im Kopf, die ich praktisch nicht umsetzen konnte, war mit meinen Gedanken permanent auf unterschiedlichen Ebenen gleichzeitig unterwegs, habe zahlreiche Jobs ausprobiert, Ausbildungen gemacht und schnell wieder abgehakt , hatte einfach immer das Gefühl „nicht ganz zu sein“, auch und vor allem, weil mir mein Umfeld stets vermittelte, dass man sich fokussieren muss, seinen Weg zu gehen hat, den man konsequent verfolgen müsse, zu Entscheidungen und „Opfern“ fähig sein muss, sich nicht so leicht ablenken lassen darf, nicht so wankelmütig sein darf… und so weiter und so fort – sonst würde man es im Leben zu nichts bringen.

Mein Sohn, 13:

hat zahlreiche Begabungen, die immer mal wieder präsent sind und an die Oberfläche kommen, macht oft den Eindruck eines „zerstreuten Professors“, setzt sich mit unglaublich vielen Themen auseinander und verwirft sie dann wieder, zeichnet Pläne, entwirft Spiele, fotografiert, bearbeitet Bilder, spielt Fußball und will manchmal damit aufhören, weil es ihn nervt zum Training zu gehen , will manchmal Volksschullehrer werden, manchmal Computerspezialist, um viel Geld zu verdienen, wollte zum Gitarrespielen anfangen, hat nach 1 Einheit aufgehört, hat sich früher mit Steinen/Mineralien und Vogelkunde beschäftigt…und so weiter und so fort. Ich fühle mich damit manchmal überfordert, weil ich mir wünschte er wäre schon „weiter“…und dann lache ich wieder über mich selbst, so etwas zu „erwarten“ 😀

Man könnte jetzt Folgendes meinen: wir sind wankelmütig, unbeständig, schaffen es nicht, Dinge zu Ende zu bringen, ich versage als Mutter, weil ich meinen Sohn nicht ausreichend motiviere, mir mangelt es an Disziplin und meinem Sohn an Ehrgeiz, wir lassen uns viel zu leicht ablenken, sind zertreut und unsicher….und natürlich vieles andere mehr.

Kennst Du das oder hast Du so etwas auch schon einmal über Dich oder Dein Kind gehört?

Dann zählst Du vielleicht, ebenso wie mein Sohn und ich, zur Gruppe der Scanner. Wenn Dir dieses Wort jetzt nichts sagt, dann kommst Du vielleicht mit der Übersetzung „Vielbegabung“ besser zurecht. Der Begriff wurde von der Therapeutin und Autorin Barbara Sher ins Leben gerufen und seitdem immer wieder mit Hochsensibilität in Zusammenhang gebracht. Scannerpersönlichkeiten verfügen über große Begeisterungsfähigkeit, Neugierde, Kreativität und Lebendigkeit. Aufgrund der Tatsache, dass sie besonders viele Interessen haben, können sie sich nur sehr schwer auf eine Sache konzentrieren, verlieren schnell das Interesse, wenn sie die Neugierde für eine andere Sache packt und neigen dazu, sich zu verzetteln. Das Bild des „chaotischen zerstreuten Professors“ passt hier ganz gut oder eben auch das Synonym „Vielbegabung“.

In den Lebensläufen von Scannern finden sich oft sehr viele verschiedene „Sprünge“ in unterschiedlichste Jobs oder/und nicht abgeschlossene Ausbildungen. Ihre Sprunghaftigkeit hat aber weniger mit Undiszipliniertheit und Unbeständigkeit zu tun, als mit Unterforderung. Sobald eine Sache zur eigenen Zufriedenheit „gescannt“ ist, verliert sie an Reiz und man will sich Neuem zuwenden.

Die Herausforderung eines Scanners ist es, die eigene Veranlagung und die damit oftmals verbundene Neigung zum Perfektionismus bewusst zu erkennen. Oftmals leben Scannerpersönlichkeiten mit einer großen Unzufriedenheit. Nicht scheint auf Dauer erfüllend und man versteht sich oft selbst nicht – vor allem im Vergleich mit Mitmenschen die augenscheinlich „Ihre“ Berufung und Erfüllung gefunden haben. Nagende Selbstzweifel kommen auf und, so wie es bei mir war, sehr oft das Gefühl: „Eigentlich kann ich gar nichts so richtig und wirklich gut.“

Scanner brauchen zumeist eine gewisse Zeit ihres Lebens, um über Wege und Umwege ihre Potentiale kennenzulernen und zu entfalten. Irrwege erkennen sie zumeist daran, dass der bereits erwähnte Langeweile- oder Bore Out Zustand eintritt.

Natürlich gibt es kein Patentrezept, wie es gelingen kann, als Scanner zu seiner Erfüllung zu finden und die komplexe Persönlichkeit bestmöglich ins Leben einzubringen. Ein wesentlicher Schritt ist sicher der, Selbstbewusstsein und Selbstannahme zu erreichen. Wenn ich weiß, warum es mir oder meinem Kind oft schwer fällt, konzentriert bei der Sache zu bleiben, gelingt es mir sicher besser, zu Akzeptanz und positiver Annahme zu gelangen. Scanner Persönlichkeiten müssen sich in Vielem ausprobieren, um nach und nach ihr vielseitiges Potential in unterschiedlichen Situationen kennenzulernen.

 Wichtige Fragen für Dich als Scanner:

  • Welche Grundwerte habe ich?
  • Wo und in welchen Bereichen kann ich meine Werte finden und leben?
  • Was gibt mir Stabilität (Familie, Wohnumgebung…) auf meinem oft unbeständigen Weg? – Wo liegen meine größten Begabungen?
  • Gibt es die Möglichkeit, meine Begabungen miteinander zu verbinden, um damit beispielsweise im beruflichen Kontext zu mehr Erfüllung zu finden?

Wenn Dein Kind zu den Scannerpersönlichkeiten zählt, dann helfen Dir vielleicht diese Gedanken/Tipps:

  • Lass Dein Kind viele mögliche und (für Dich vielleicht) unmögliche Sachen ausprobieren – auch wenn es nur für ganz kurze Zeit ist.
  • Stärke Dein Kind immer wieder in seinen Begabungen und Talenten.
  • Nimm Euch beiden den Druck, zu einem gewissen Zeitpunkt, Zukunftsentscheidungen getroffen haben zu müssen.
  • Und vor allem: Nimm Dein Kind in seinem So Sein an. Eine Scannerpersönlichkeit lebt keinen Mangel an Disziplin oder Ehrgeiz sondern verfügt über ungemein viel Potential, das in die Welt gebracht werden will 🙂

 

 

 

Gastartikel von Autorin Birgit Böhm: Vom “Ruf des Abenteuers” und dem Weg zu einem einzigartigen Schatz

Als Biologin und Pädagogin sieht Birgit Böhm eine wichtige Aufgabe darin, Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, dass die Natur einen Schatz darstellt, den wir Menschen gut behüten sollten. Spät hat sie ihre eigene Hochsensitivität und synästhetische Wahrnehmungsweise entdeckt (mehr Information dazu im Beitrag). Seitdem liegt es ihr als Autorin am Herzen, anderen Menschen diese Phänomene durch Erzählungen nahezubringen. Auch die fabelhaften Hauptcharaktere ihrer Bücher tragen hochsensible Wesenszüge.

Die Erzählungen von Alba eignen sich
  • zum Selberlesen ab circa 10 Jahren,
  • zum Vorlesen auch für jüngere Schulkinder
  • für Erwachsene, die sich als “feinsinnig” einschätzen und die einen Blick zurück in die jungen Jahre hs Persönlichkeiten werfen möchten
  • als Familienlektüre in hochsensiblen Familien

Lass Dich verzaubern 🙂

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Die Raunächte mit ihrem ganz eigenen Zauber sind vorbei. Wie jedes Jahr seit Jugendzeiten haben sie ihre Wirkung auf meine Gefühle und Gedanken entfaltet: Mit Spannung und Vorfreude fühle ich mich nun bereit, mein wichtigstes Projekt für 2017 beherzt umzusetzen.

Meine Naturverbundenheit verdanke ich wohl meiner Kindheit in den 50er und 60er Jahren in Norddeutschland. Eingebunden in solide familiäre Strukturen, mit einer fürsorglichen Großmama, die mit mir im Sommer geduldig Blumen am Deich pflückte und im Herbst bunte Blätter sammelte, durfte ich weit gehend im eigenen Tempo groß werden. Die Nähe zur Nordsee mit ihren gefährlichen Sturmfluten lehrte mich früh den Respekt vor den Naturgewalten.

Waldrebe

Die Gemeine Waldrebe: Sie sollte später als „Zauberpflanze“ in meine Fantasy- Welt eingehen.

Dachs

Der Europäische Dachs: Er wurde zur Figur des „Fulgur“ in meiner Fantasy- Welt.

 

Diese enge Beziehung zur Natur beeinflusste auch meine Berufswahl.

Ich wurde Realschullehrerin mit Schwerpunkt Biologie, ging aber daneben künstlerischen Neigungen mit Kunst und Textilem Werken nach sowie meiner Liebe zu Büchern und Filmen. Nach Zeiten von Familienarbeit mit zwei Kindern, beruflicher Selbstständigkeit und als Sachbuchautorin erwarb ich an der Uni Kiel das Diplom in Schulpädagogik.
Mit frisch erworbenem Wissen in Psychologie, Soziologie, Pädagogik und beeindruckt von Wilhelm von Humboldts Bildungstheorie unterrichtete ich voller Elan: Biologie und Deutsch, Textillehre und Kunst.

Im Deutschunterricht meiner 6. Klasse wurde im Jahre 2006 die Idee geboren, eine Fantasy-Reihe für Kinder zu schreiben. Eine Schülerin hatte Cornelia FUNKEs „Tintenherz“ vorgestellt und ein Schüler schwärmte von Schullektüre „mit Einhörnern und so“. Als Pädagogin mit Liebe zur Biologie und Faible für TOLKIEN widmete ich fortan Ferienzeiten diesem Projekt: Eine spannende Heldenreise sollte jungen Lesern Möglichkeit zur Identifikation bieten und „nebenbei“ Wissen aus Botanik, Zoologie, griechischer Mythologie vermitteln. Die Helden: das norddeutsche Mädchen „Alba“ (12 Jahre) und der italienische Junge „Tonio“ (13 Jahre).

Alba

„Alba Brunnstein“

Schwebende Sterne

„Schwebende Sterne“

 

Einhorn_Morgenröte

„Morgenröte“

Wenn ich, oft in der Stille der Nacht, am Laptop saß und einzeln Szenarien erdachte, dann war ich immer voll im Bild, im Film, mitten im Geschehen. Ich spürte die Atmosphäre, fühlte mit meinen Figuren, sah Landschaft, Tiere, Pflanzen leibhaftig vor mir. Mit Hilfe eines alten Taschenbuches für Wortfelder und Synonyme suchte ich nach den treffendsten Formulierungen, damit meine Leser möglichst dasselbe sähen wie ich.

Schattenschloss

Das „Schloss der Schatten“

Für diese leidenschaftliche Beschäftigung mit Bildern und Sprache fand ich zwei Jahre später eine verblüffende Erklärung, als ich eine Fernsehsendung über „synästhetische Wahrnehmung“ sah: Ich bin vielfache Synästhetin. Fasziniert von dem Phänomen, thematisierte ich es in einer Erzählung für Jugendliche.

(Links zum Thema „Synästhesie“: siehe Anmerkungen)

Einige Jahre später machte mich eine Psychologin auf das Phänomen „Hochsensibilität/ Hochsensitivität“ aufmerksam. Ich fühlte mich sofort angesprochen, sichtete etliche Publikationen, stellte fest: Ich bin hochsensitiv.

Eine Durchsicht meines Manuskriptes zeigte: Das Element der Hochsensitivität war in Schreibstil und Inhalt meiner Erzählung eingeflossen, die Hauptfiguren „Alba“ und insbesondere „Tonio“ trugen entsprechende Persönlichkeitszüge. Eine sehr aufwühlende Entdeckung für mich, die ich zur Schöpfung meiner Figuren auch eigene Jugenderinnerungen herangezogen hatte!

So „eigen“ die Hauptfiguren, so außergewöhnlich die Reise in die wundersame Gegenwelt. Alba folgt ihrem Freund Tonio eher widerstrebend in diese Welt der „Elben“ mit unberührter Natur und geheimnisvollen Bewohnern. Dabei ahnt sie nicht, worin das eigentliche Ziel dieser Heldenreise besteht. Je tiefer die beiden in die „Welt der tausend Tore“ eintauchen, desto deutlicher wird die gegenseitige Abhängigkeit beider Welten.

Leseprobe 1:

„Wenig später standen Tonio, Alba und der Signore um das Wasserbecken herum. Ein warmer, seidiger Nachtwind wehte durch Frau Miros Garten. Der Mond stand als scharf umrissene, silberfarbene Sichel am tintenblauen Abendhimmel. Ein eigenartiges Zwielicht fiel durch das Blätterdach des alten Walnussbaumes. Ein einzelner Vogel zwitscherte in seinem Geäst.

Irgendwo huschte ein kleines Tier durchs trockene Gras. Alba spürte, dass an diesem Abend etwas Magisches von dem Becken ausging; es schien lautlos in jeden Winkel des Gartens zu strömen. Aufbruchstimmung, dachte sie, und schluckte trocken.
‚Keine Angst’, flüsterte Tonio ihr zu. ‚Horch auf das Rauschen der Blätter. Der Baum spricht zu uns: Wir sollen vertrauen.“ (aus: Alba Brunnstein – Das Geheimnis der tausend Tore. S. 103. FIORELLA. Uetersen 2013)

Leseprobe 2:

„Während Alba vergeblich nach Antworten suchte, veränderte sich das Bild des Weihers, das sie die ganze Zeit vor Augen hatte: Langsam, aber unaufhörlich und in immer schnellerer Folge leuchteten kleine, weiße Lichtpunkte auf der schwarzen Wasseroberfläche auf. Es war beinahe, als stürzten Sternschnuppen aus den dunklen Höhen des Himmels in den Weiher hinein. Zugleich näherte sich ein tiefes Rauschen …“ (aus: Alba Brunnstein – Die Befreiung der tausend Tore. S. 233. FIORELLA. Uetersen 2015)

Nun widme ich mich dem Manuskript für Band 3:
“Alba Brunnstein – Das Herz aus liebendem Gold“.

Guido

Natürlich wieder dabei: „Guido, der Mitternachtskobold“

 

Portrait_Autorin_BirgitBöhm

Birgit Böhm Autorin

Uetersen, am 11. Januar 2017

 

Anmerkungen:

Alle Abbildungen unterliegen dem Copyright des FIORELLA Verlages. Mehr im Internet unter: www.alba-brunnstein.de
Bezugsquelle: www.fiorella-verlag.de

Links zum Thema „Synästhesie“:

www.welt.de/gesundheit/psychologie/article148866017/Wie-Menschen-mit- Synaesthesie-die-Welt-wahrnehmen.html
www.eliane-reichardt.de

 

5 hochsensible Gedanken für ein ruhiges und schönes Weihnachtsfest

1 Woche vor Weihnachten.
Meine 14 jährige Tochter gibt sich entspannt der Vorfreude hin – trotz Matheschularbeit 😉 und ihre Gedanken konzentrieren sich momentan hauptsächlich auf das Thema “Was zieh`ich bloss am Heiligen Abend an??”
Mein 12 jähriger Sohn ist gerade die Unruhe in Person, launisch, zappelig und zerstreut. Pubertät und Hochsensibilität sind alleine für sich schon eine große Herausforderung – vor allem für hochsensible Elternteile wie mich 😉

Die Wintersonnenwende und die beginnenden Raunächte sind für mich jedes Jahr eine besondere Zeit. Ich spüre ganz deutlich den Wert, Altes loszulassen und mich Neuem zuzuwenden. Jedes Jahr versuche ich noch ein bisschen bewusster in diese Zeit hineinzugehen.

Heuer habe ich mir vorgenommen für die Zeit zwischen 24.12. und 6.1. Facebook loszulassen, dann das zerstreut immer mal wieder (und mehr als ich möchte) meine Aufmerksamkeit.

Oft wünsche ich sehr, dass meine Kinder mit mir in diese Ruhe eintauchen können (und wollen). Ich merke sehr stark wie sehr ich meine Erwartungen an anderen Menschen festmachen und dann gestresst und enttäuscht bin, wenn sie nicht eintreffen.

Ich habe mir einige Gedanken darüber gemacht, wie es gelingen kann, noch besser im Hier und Jetzt zu sein, um die Ruhe und den Frieden des Weihnachtsfestes mit (und trotz ;-)) meiner Familie und mit allem was SO IST auf der Welt, genießen zu können.

Vielleicht ist auch etwas für Dich dabei 🙂

  1. Ich versuche meine Erwartungen dahingehend zu verändern, dass ich mir bewusst mache, dass ICH es bin, die in ihrer Mitte sein muss, um die Ruhe, die ich mir wünsche, auch wahrnehmen zu können.
    Das bedeutet für mich, dass ich mich im Familientroubel immer wieder auf MICH besinne, meine Füße bewusst auf den Boden stelle und durchatme.
  2. Ich versuche bewusst, meine Grenzen wahrzunehmen. Ich neige sehr dazu, sofort in andere Menschen, deren Gefühle und Stimmungen einzutauchen. Das kann umso belastender sein, je näher mir der Mensch steht.
    Ich stelle mir dann vor meinem geistigen Auge meine Grenzen vor – bei mir ist das meistens so etwas ähnliches wie eine Seifenblase. ICH bestimme, was ich hineinlassen möchte.
  3. Ich liebe meine Familie genauso sehr wie ich manchmal mit allem und allen hadere. Weihnachten war für mich die meiste Zeit meines Lebens ein emotionaler Supergau, dem ich mich ausgesetzt gefühlt habe ohne ihn selbst steuern zu können.
    Ich versuche mir ganz bewusst zu machen, dass ICH SELBST es bin, die das Leben in jedem Augenblick „in der Hand hat“ und gestaltet. Meine Familie und mir nahestehende Menschen waren und sind große Lehrmeister. Auch wenn ich mir als spiritueller Mensch oft ein „anderes“ Weihnachten wünsche – ICH habe die Verantwortung, mit dem, was IST, bestmöglich umzugehen.
  4. Ich schaffe mir Raum, um zu verarbeiten. Das bedeutet, dass ich bewusst Zeit für`s Alleinsein einplane, um nach viel Interaktion rund um die Weihnachtsfeier wieder ganz bei mir anzukommen und loszulassen, was nicht bleiben soll.
    Der Ausblick auf meine Alleinzeit hilft mir, wenn ich mich zu sehr von meinen Wahrnehmungen und Eindrücken überrollt und beansprucht fühle.
  5. …und wenn es mich doch erwischt und ich gestresst, traurig, überrollt von Emotionen und Wahrnehmungen werde, versuche ich mir liebevolle Aufmerksamkeit zu schenken und mir zu sagen: „Du bist genau da, wo du sein sollst, mit allem, das gerade genau so sein soll, wie es ist. Stell dich auf den Boden, atme durch und gehe weiter – Schritt für Schritt.“

    *** VON HERZEN EINE SCHÖNE WEIHNACHTSZEIT ***

Ich möchte mich bedanken, weil ich unendlich dankbar bin

Seit etwas mehr als einem Jahr ist in meinem Leben nichts mehr so wie vorher. Ich habe endlich – nach vielen wertvollen, anstrengenden, aufregenden, erhellenden, erschütternden und aufwühlenden Erfahrungen – meine Berufung zum Beruf machen dürfen.

*** ICH LIEBE MEINE ARBEIT AUS GANZEM HERZEN ***

Lange Zeit hätte ich mir nicht gedacht, das jemals sagen zu können. Ständig habe ich mich fehl am Platz gefühlt, war unendlich ausgelaugt und energieleer, bin durch sehr viele Tiefen gegangen, habe ihn aber immer deutlich gespürt: Den Herzensruf, der mir immer wieder den Weg ebnete, um weiter zu gehen.

Es erfüllt mich mit großer Dankbarkeit und mit viel Respekt vor dem Leben, Menschen in ihrem SO-SEIN unterstützen zu dürfen, ihnen aus eigener Erfahrung Mut machen zu können, sie abholen und ein Stück weit auf ihrem Weg begleiten zu dürfen.

Im letzten Jahr ist so viel passiert…

Ich sehe meine Aufgabe darin, Menschen zu Be – Rühren. Etwas aufzuwühlen, das schon lange schlummert, um endlich angenommen und gelebt zu werden.

Ich schätze die Gespräche mit unterschiedlichsten Menschen so sehr. Auch ich kann immer sehr viel davon mitnehmen.

Es braucht viel Vertrauen, um den Körper eines Menschen wirklich berühren und in die Tiefe vordringen zu können.

Ich durfte ein Interwiev für Ö1 geben (wird bald gesendet), werde in einem Fach Artikel auf gesund.at als „Expertin“ genannt (auch dieser erscheint bald), durfte Workshops und Seminare halten, habe mein Buch über Hochsensibilität in Alltag und Schule fertig geschrieben, das voraussichtlich Ende Februar erscheint und darf kommendes Jahr endlich auch auf der Pädagogischen Hochschule eine Fortbildung zum Thema Hochsensibilität anbieten.

Es ist mir ein so unendlich großes Anliegen, BewusstSein zu schaffen. Dadurch glaube ich, geht vieles so viel einfacher. Weg von gesellschaftlichen Norm-Vorstellungen, hin zur bewussten, achtsamen und individuellen Gestaltung unseres Lebens.

Ich bedanke mich aus ganzem Herzen bei Euch, die Ihr

…meinen Blog lest,

…mir Kommentare schreibt und Feedback gebt,

…mir Euer persönliches Vertrauen schenkt.

Das treibt mich unglaublich an, weiterzumachen und den Weg weiterzugehen.

*** DANKE DAFÜR ***

Hier ein paar Zeilen, die mir persönliche KlientInnen als Feedback weitergegeben haben:

***

Liebe Karin,

vielen vielen Dank!

Wir haben schon einige Techniken ausprobiert und S. gefallen sie gut :o). Ich bin auch entspannter seit unserem Gespräch!

***

 Sehr geehrte Fr. Abriel!

 Ich bin dabei mein eigenes Verhalten während Maxis Wutanfällen zu ändern. Mehr ICH-Botschaften und auch ihm mehr Zeit alleine geben, bis ich zu ihm gehe. Das ist ein großer Lernprozess für mich!

Ansonsten war ich heute bei meiner/unserer Therapeutin um mit ihr zu besprechen, wie wir das Bearbeiten der Altlasten die Max und mich belasten angehen.

Es liegt noch ein langer Weg vor uns. Aber es tut im Moment einfach gut, “dass das Kind einen Namen bekommen hat”. Will heißen: wir wissen jetzt was bei uns los ist. Und damit haben wir eine Basis von der Weg wir arbeiten werden. Ich bedanke mich also vielmals bei ihnen für das wertvollste Telefonat, das ich je geführt habe!

 ***

 Hallo Frau Abriel,

Vielen lieben Dank für das gute Gespräch. Habe mich sehr gut dabei gefühlt und bin mir jetzt sicher das wir soviel nicht falsch gemacht haben und kann jetzt vieles besser einordnen. Danke

 ***

 Liebe Frau Abriel,

 vielen Dank für die gute Zusammenfassung und die wertvollen Tipps. Wir werden nun versuchen, Ihre Empfehlungen umzusetzen und schauen wie’s weiterhin läuft. 

 ***

 Liebe Karin, 

 Wir haben das Gefühl, dass unser Gespräch uns sehr geholfen hat, A. (und auch oft uns selber) besser zu verstehen. Langsam scheint eine harmonischere Beziehung in unsere Familie einzukehren.

***

 Sehr geehrte Frau Abriel!

 Vielen Dank für das tolle Gespräch gestern und die Zusammenfassung mit den Tipps.

Wir werden versuchen diese bestmöglich umzusetzen.

 ***

 Liebe Frau Abriel!

 J. hat freitags sehr entspannt und ausgeglichen gewirkt. Ich habe ihn daweil nur auf den Körperarbeitsteil angesprochen und er hat gesagt, dass er seinen Körper gut spüren kann und “dass jetzt alles wieder zu ihm gehört”. 😉

Ihre Meinung finde ich sehr hilfreich und bereichernd. 

 Danke!!!

 ***

“Warum bin ich manchmal so hilflos?” – oder: Das starke Band zwischen hochsensiblen Kindern und Eltern

 

Viele von Euch kennen sicher folgende Situationen, vor allem dann, wenn Ihr selbst ein hochsensibler Elternteil seid:

  • Noch bevor Dein Kind in einer angespannten Situation zum Beispiel wütend wird, spürst Du die Wut Deines Kindes bereits am eigenen Leib. Du übernimmst sie praktisch und wirst auch selbst wütend. Das macht die Situation natürlich nur noch anstrengender für alle.
  • Du beginnst schrecklich zu leiden, wenn sich Dein Kind weh getan hat. Du spürst die Schmerzen am eigenen Körper.
  • Du gehst stark in den Widerstand, wenn Dein Kind in einer Situation ist, die Du selbst schwer aushältst – zum Beispiel das Thema Schule. Du leidest darunter, dass Dein Kind in die Schule geht.
  • Du willst Deinem Kind aus ganzem Herzen alle Themen abnehmen, unter denen du als Kind oder auch noch als Erwachsener gelitten hast oder leidest.

Das starke Band zwischen Dir und Deinem Kind ist ein wunderbares Geschenk. Es ermöglicht Dir, bestmöglich auf die Bedürfnisse Deines Kindes einzugehen. Schwierig wird es dann, wenn Du

  • dich oft gestresst und belastet fühlst.
  • das Gefühl hast, völlig hilflos den oftmals starken Gefühlen Deines Kindes gegenüberzustehen.

Folgende Aspekte können Dir dabei helfen, Dich mehr in Deine Stärke im Umgang mit Deinem hochsensiblen Kind zu bringen:

1. Der Schritt nach Außen

In belastenden und anstrengenden Situationen mit Deinem Kind kann es helfen, ganz bewusst ein paar Schritte raus aus der Situation zu machen. Entweder tatsächlich nur ein paar Schritte oder auch ganz raus aus dem Zimmer und der Umgebung. Das hilft, das starke Band ein wenig zu lockern und zu vermeiden, dass Eure Gefühle ineinander überfließen.

2. Leidensdruck hinterfragen

Wenn ich merke, dass mir eine Situation zu nahe geht und ich zu sehr leide, versuche ich mir bewusst zu machen WARUM. Oft liegt es daran, dass ich ein Problem mit der Situation einfach auch meine (negativen) Erfahrungen habe und ich das dann auf mein hochsensibles Kind übertrage. Das heißt noch lange nicht, dass mein Kind darunter genauso leidet.

3. Den eigenen Weg gehen lassen

In Situationen, in denen ich besonders gefordert bin, versuche ich mir bewusst zu machen, dass mein Kind SEINEN Weg geht, auf dem ich es “nur” begleiten kann. Ich kann ihm den Weg nicht abnehmen. Dieser Aspekt des Loslassens ist wohl einer der schwersten, aber für Eltern und Kinder sehr gesund.

4. Dein Kind als Spiegel

Diesen Punkt will ich mir oft am wenigsten anschauen, weil er doch recht schmerzlich sein kann. Ich versuche mir bei allen anstrengenden und unangenehmen Verhaltensweisen meines Kindes bewusst zu machen, dass sie ein Spiegel meiner eigenen bewussten oder unbewussten Gefühle sind. Mein Kind ist genauso stark mit mir verbunden wie ich mit ihm.

Wenn es mir gelingt, einen oder mehrere dieser Aspekte in anstrengenden Situationen zu beachten, merke ich immer sehr stark, wie sehr sich das Thema entspannt und auch etwas objektiviert.

Viel  Erfolg beim Üben :-)!

Solltest Du mehr Unterstützung wollen, freue ich mich über einen Anruf (0660/1234 376) oder ein Mail (info@hochsensibilitaet.at).

Danke auch für`s Teilen des Beitrags!

 

 

Ich über Mich – meine Nominierung für den “Liebster Award”

Die liebe Katharina Welan von “Wunderbares Wesen” hat mich vor kurzem für den Liebster Award nominiert.

liebsteraward

Jö, ich freue mich total, dass Du dabei an mich gedacht hast, Katharina! Ich schätze Deine Arbeit sehr und es war sehr interessant, deine Antworten zu lesen!

Ich habe etwas gegoogelt und herausgefunden, dass das Ziel des Liebster Award, der im Internet existiert, darin besteht, Blogs bekannter zu machen, Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen zu lenken und die Menschen hinter den Blogs besser kennenzulernen. Außerdem soll jeder Nominierte bis zu 11 weitere Blogs nominieren – wow, das sind viele. Ja, es ist also eine Art “digitaler Kettenbrief” mit besten Absichten. Ich mache gerne mit und nominiere:

  • Anna Breitenöder. Anna ist hochsensibel und hat die Gabe, Menschen zu ihrer inneren Berufung zu begleiten indem sie unterstützt, die eigene Marke absolut authentisch aufzubauen. Mehr Infos hier.
  • Carolin Setzer. Carolin hat als ehemalige Architektin einen ganz neuen Weg eingeschlagen und die Tankstelle für Körper, Geist und Seele ins Leben gerufen. Sie unterstützt Menschen durch Mental- und Achtsamkeitstraining und bietet großartige Kinderyoga Einheiten an.
  • Diana Pimpl. Diana lebt ihre Berufung indem sie hochsensible Familien durch Beratung unterstützt, glücklich mit ihrer Sensibilität im Alltag zu leben. Mehr Infos hier.

3 großartige Frauen, die ihren Weg gehen und dabei andere unterstützen :-)!

Liebe Anna, liebe Carolin, liebe Diana, anschließend an meine Antworten auf Katharinas Fragen findet Ihr meine Fragen an Euch. Viel Spaß!

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Hier sind nun meine Antworten auf Katharinas Fragen:

Wie/Wann hast Du bemerkt, dass Du selbst hochsensibel bist?

Das war wohl so wie bei vielen anderen auch. Ich habe mich immer anders gefühlt. Eines Tages fiel mir bei Thalia das Buch “Zart besaitet” in die Hände. Der Titel hat mich sofort angesprochen und es war sehr befreiend zu lesen, dass es andere “Anders” auch gibt :-).

 

Warum hast Du Dich entschlossen, Dich selbständig zu machen?

Ich habe in ganz unterschiedlichen Systemen, öffentlichen und privaten, in unterschiedlichsten Rollen gearbeitet. Das Anpassen an die Systeme mit ihren Rahmenbedingungen hat mich immer unendlich viel Kraft gekostet. Ich habe mich in meinem SEIN immer eingeengt gefühlt.
Jetzt ist es so, dass mir meine “Arbeit” viel mehr Energie gibt als sie mir nimmt und ich liebe es :-).

 

Woher holst Du Dir die Inspiration für die Themen Deines Blogs?

Auf einmal ist ein Thema da, das ich stark fühle und ich bekomme das Bedürfnis, darüber zu schreiben. Manchmal sicher auch, weil ich gerade selbst in meinem Alltag damit konfrontiert bin.

 

Was ist Dir wichtig im Leben?

Meine Familie.
Stabilität in unterschiedlichen Lebenssituationen zu erlangen.
Meine unbändige Neugier aufs Leben zu stillen.

 

Wo/Wie kannst Du Kraft tanken?

Ich bekomme Kraft aus der Ruhe. Aus dem allein Sein, wo ich alle Antennen einfahren kann und ganz bei mir selbst bin.

 

Hast Du einen Lieblingsort und was ist so besonders daran?

Ich habe meinen Lieblingsort in Indien kennengelernt: eine Bucht auf einem einsamen Strand mit Rundumblick aufs unendliche Meer. Zu diesem Ort begebe ich mich jetzt sehr oft in Gedanken.

 

Wie wichtig ist Berührung für das Wohlbefinden?

Für mich sehr wichtig, weil sie mich erdet.
Ich glaube, dass Berührung und Verbindung ganz natürliche Quellen für Wohlbefinden und Stabilität im Leben sind.

 

Was spürst Du, wenn Du mit KlientInnen arbeitest?

Ich versuche mich vor jeder Klientin/jedem Klienten auf die Persönlichkeit einzustellen. Meist sammle ich schon vor dem Termin Informationen über die Person und das Thema, um das es geht. Beim persönlichen Termin lasse ich mich voll und ganz auf den Menschen mir gegenüber ein und begebe mich in seine Lebenswelt. Dann spüre ich klar, was meine Klientin/meinen Klienten antreibt, beschäftigt und belastet und kann aus einer Außenperspektive gezielte Unterstützung durch Beratung und Körperarbeit anbieten.

 

Was ist für Dich die schönste Eigenschaft/Fähigkeit, die Du aufgrund Deiner Hochsensibilität hast?

Das Spüren von Menschen, das Wahrnehmen von Beweggründen anderer Menschen und das Einlassen Können in andere Lebenswelten.

 

Was war der schönste Moment in Deinem Leben bisher?

Die Geburt meiner beiden Kinder:
Anna (14) – ein heißer, sommerlicher Moment
Max (12) – ein Moment tanzender Schneeflocken vor dem Fenster

 

Welchen Tipp kannst Du anderen hochsensiblen Menschen geben, die ihre Berufung noch nicht gefunden haben?

Ich weiß, dass sich die Suche nach der Berufung sehr schwierig gestalten kann. Man spürt den Ruf mit einem unglaublichen Leidensdruck und einem Kopf, der immer wieder sagt: “Das will ich nicht!!”.
Wenn es gelingt zu akzeptieren, dass man sich auf der Suche befindet und zu vertrauen, dass sich die Berufung irgendwann eröffnet und der Weg vor einem liegt, hat man viel geschafft.
Ich rate jedem hochsensiblen Menschen, sich bei diesem Prozess Unterstützung zu holen von Menschen, die die hochsensible Veranlagung und das Suchen nach der Lebensaufgabe verstehen können. Das können Freunde sein oder auch professionelle Angebote. Die Klarheit der Außenperspektive kann den Weg oft entscheidend verkürzen.

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Und hier nun meine Fragen für Anna, Diana und Carolin:

  1. Wie bist Du geworden, was Du jetzt bist?
  2. Was treibt Dich an, das zu tun, was Du jetzt machst?
  3. Wie wichtig ist Intuition für Dein Arbeiten?
  4. Wo liegen Deine persönlichen Stärken?
  5. Wo und wie kannst Du Energie tanken?
  6. Welche Menschen in Deinem Leben haben Dich gefördert?
  7. Was war die schlimmste Erfahrung in Deinem Leben bisher?
  8. Wo liegen für Dich die Herausforderungen selbständig zu arbeiten?
  9. Wie gehst Du mit Kritik um?
  10. Was hat Dich in letzter Zeit am meisten berührt?
  11. Was schätzen Deine Klientinnen besonders an Dir?

Ich freue mich schon sehr auf Eure Antworten!

Und hier die Regeln:
Beantworte die 11 Fragen, die ich dir gestellt habe.
Nominiere neue Blogger für den Liebster Award.
Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen.
Schreibe diese Regeln in deinen Liebster Award Blog-Artikel.
Informiere deine nominierten Blogger über den Blog-Artikel.

“Ich bin so wütend!!!” – Warum dieser Satz wichtig ist und wie wir gerade unsere hochsensiblen Kinder dabei unterstützen dürfen

Die Atmosphäre ist dicht. Die Anspannung ist spürbar. Ich kenne meinen hochsensiblen Sohn. Ich weiß, was jetzt passiert. Ich versuche, aus der Situation auszusteigen. Es gelingt nicht. Seine Stimme hebt sich, es wird laut im Zimmer. Er schreit, beginnt zu toben und ein Kissen zu schmeißen. Ich hole tief Luft und verlasse das Zimmer. Und das alles wegen nichts. Das ist zumindest meine Wahrnehmung.

ER sieht das anders. Ich würde ihn nicht verstehen. Er fühlt sich von mir bedrängt, kann sich nicht entfalten. So oder so ähnlich lässt er es mich wissen.

Ein Teil von mir sagt mir, dass er Recht hat. Der Teil sagt mir auch, dass ICH es mir als Kind nie zugestanden habe, wütend zu sein, zu schreien und Gegenstände durchs Zimmer zu schmeißen.

Wahrscheinlich ist es deshalb so schwer für mich. Ich konnte mit derartigen Gefühlsausbrüchen lange nichts anfangen, weil ich sie bei mir nie kennengelernt habe.

Ich gehörte zu jenen hochsensiblen Kindern, die sich zwar auch nie verstanden fühlten, aber immer sehr angepasst und auf Harmonie bedacht waren. Bevor ich es zuließ, selbst wütend zu werden, versuchte ich die Wut anderer auszugleichen. Ich war noch lieber und noch braver, um andere nicht wütend zu machen.

Meine Wut behielt ich stets fest verschlossen tief drinnen in mir.

Später fiel mir das alles auf den Kopf und es dauerte lange, bis ich erfahren habe, dass ich wütend sein darf. Ich musste lernen, auf erwachsene Art mit meiner Wut umzugehen, die ich als Kind oder Jugendliche nicht rausschreien konnte.

Also bin ich doch stolz auf meinen Sohn. Und ich beneide ihn auch ein bisschen. Dafür, dass er etwas macht, das ich mich nie getraut habe.

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Mit Gefühlen, die wir als negativ einstufen, umzugehen, ist in unserer Gesellschaft schwierig. Damit, dass vielleicht gerade diese Gesellschaftsstruktur das Auftreten solch negativer Gefühlsäußerungen begünstigt, beschäftigen sich nur wenige. Vielmehr gibt es einen großen Erwartungsdruck, einer definierten Norm zu entsprechen und sich ihr anzupassen. WARUM? Fragen dazu können kaum beantwortet werden und sind eher unerwünscht. “Das ist eben so!” ist wohl eine jener Aussagen, die vor allem hochsensiblen Menschen die größten Schwierigkeiten bereitet. Vor allem hochsensible Kinder stellen diese WARUM? Fragen in vermehrtem Ausmaß und lassen sich nur sehr schwer in das enge Korsett von Systemen drängen. Wenn es ihnen zu nahe kommt, droht Explosionsgefahr.

JA, Grenzen sind wichtig. AUCH und VOR ALLEM für hochsensible Kinder. Sie geben nicht nur einen Rahmen, sondern auch Sicherheit, sich in dieser oft unverständlichen Welt zurechtzufinden.

ABER: Wir als Eltern müssen zulassen, dass unsere Kinder diese Grenzen sprengen wollen. Das ist bei Jugendlichen in der Pubertät oder bei Kleinkindern in der Trotzphase ein natürlicher Entwicklungsschritt zur Individualisierung.

Bei hochsensiblen Kindern ist es unendlich wertvoll, dass sie lernen, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, um sie verarbeiten zu können. Nicht nur, um ihnen spätere harte Lernerfahrungen zu ersparen, sondern auch und vor allem, um ihre zarte Persönlichkeit zu stärken und zu erden.

Wenn ich ernst genommen werde, auch in meiner Wut, kann ich weitergehen und sie produktiv nutzen. Wut und Aggression sind Antriebsfaktoren für die Entstehung von Neuem. Wenn ich sie vor der Welt verschließe, kann nichts Neues wachsen.

  • Lassen Sie Ihr Kind wütend sein. Auch schreien und toben gehört dazu.
  • Setzen Sie sich, wieder abgekühlt ist, zu Ihrem Kind und fragen, was genau der Grund für seine Wut war. Zeigen Sie Verständnis und zeigen Sie Wege, damit umzugehen.
  • Lassen Sie auch IHRE Wut zu. Leben Sie Ihrem Kind vor, damit umzugehen.
  • Vor allem: REDEN – REDEN – REDEN Sie mit Ihrem hochsensiblen Kind. Begründen Sie alles. Die meisten hochsensiblen Kinder haben ein enormes Gespür und Verständnis für Worte. Das, was Sie begründen, kann verinnerlicht werden und zu neuen Sichtweisen beitragen.

Viel Kraft dabei 🙂

“Schlaf gut!” – 7 Herangehensweisen, achtsam mit den Schlafbedürfnissen unserer hochsensiblen Kinder umzugehen

Der Abend naht. Die gewünschte Ruhe auch. Die Antennen unserer hochsensiblen Kinder sind überstrapaziert. Wieder ein Tag mit unendlich vielen Eindrücken, Erlebnissen und damit verbundenen Gefühlen. Jetzt endlich zur Ruhe kommen. Gleichermaßen notwendig für Kinder und Eltern. Aber, dann:

“Mama, ich kann nicht schlafen!”

“Mein Bauch tut weh!”

“Papa, ich brauch noch was zu trinken!”

“Kann ich zu dir ins Bett?!”

“Ich hab´Angst!”

Hochsensible Kinder zur Ruhe zu bringen, ist oft eine besonders schwierige Herausforderung. Abends kommt es oft zum Supergau aus noch nicht verarbeiteten Eindrücken, damit verbundenen Unruhezuständen und oftmals auch Angst. Es ist nur verständlich, dass wir als Eltern oftmals mit Ärger und Unverständnis reagieren, sehnen wir uns doch selbst abends nach unserer wohlverdienten Ruhe. Manchmal fallen uns dann irgendwelche Ratgeber in die Hand, die uns vermitteln, dass wir mit der richtigen Konsequenz und Durchsetzungskraft unser Kind dauerhaft im eigenen Bett ohne viel “Tamtam” zur Ruhe bringen können. Wir probieren es aus und es fühlt sich doch irgendwie nicht richtig an. Wir fühlen, dass unser Kind Bedürfnisse hat und stehen vor der Herausforderung, diesen bestmöglich zu begegnen und dabei auch auf unsere eigenen Grenzen zu achten.

Vielleicht helfen folgende Herangehensweisen dabei, das Schlafen und zur Ruhe kommen für unser Kind und uns selbst harmonisch zu gestalten:

  1. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind fixe Schlafenszeiten (sofern das altersmäßig bereits möglich ist). Fixe Zeiten geben Struktur, Halt und Sicherheit. Machen Sie Ihr Kind rechtzeitig abends darauf aufmerksam, dass bald Schlafenszeit ist. Ihr Kind kann sich gut darauf einstellen und darauf vorbereiten, dass die “Antennen und Systeme runtergefahren werden”.
  2. Bevor sich Ihr Kind ins Bett legt, helfen Sie ihm durch die Schüttelübung den vergangenen Tag abzustreifen, um so besser zur Ruhe zu kommen. Dazu stellt es sich hüftbreit und die Knie etwas gebeugt auf den Boden und beginnt nun aus den Knien heraus, den ganzen Körper durchzuschütteln. Dabei können Sie Ihr Kind anleiten, alles was es tagsüber aufgenommen hat und nicht mehr braucht, in den Boden zu schicken. Kindern macht es noch mehr Spaß, wenn Sie als Eltern diese Übung mitmachen und auch mit lautem und betontem Ausatmen begleiten.
  3. Wenn Ihr Kind im Bett liegt, setzen Sie sich noch einige Zeit zu ihm. Reden Sie in angenehmer, entspannter Atmosphäre über den verbrachten Tag. Fragen Sie ihr Kind: “Was hat dir heute am besten gefallen?” und “Was hat dir gar nicht gefallen?” Sie helfen Ihrem Kind so, die Eindrücke zu verarbeiten und stärken sein Selbstbewusstsein durch Ihr Interesse und Ihre Aufmerksamkeit.
  4. Verwenden Sie, wenn Ihr Kind im Bett liegt, noch einige Zeit für Körperkontakt. Besonders gut eignen sich jene Minuten, nachdem Ihnen Ihr Kind von den Eindrücken des Tages erzählt hat. Sie helfen so dem Körper Ihres Kindes beim Verarbeiten der Informationen, egal ob Füße massierend, streichelnd oder vorsichtig mit einem kleinen Ball den Körper abrollend.
    Die Knöchel und der Bereich um die Achillessehne sind besonders wichtige Stellen, um den Körper zur Ruhe zu bringen.
  5. Stellen Sie immer ein Glas Wasser für Ihr Kind bereit. Sollte Ihr Kind nicht gleich zur Ruhe finden, sagen Sie ihm, dass es immer dann, wenn es noch nicht gut einschlafen kann, einen Schluck Wasser trinken soll. Wasser hilft, das Stresshormon Cortisol, das in hochsensiblen Körpern im Übermaß vorhanden ist, abzubauen.
  6. Haben Sie keine Angst davor, das Falsche zu tun, wenn Sie Ihr Kind im eigenen Bett schlafen lassen bzw. Ihrem Kind nachts erlauben, ins Bett zu kommen. Die meisten Erwachsenen bevorzugen Doppelbetten und wollen nicht alleine schlafen. In früheren Zeiten war es völlig normal, dass die ganze Familie gemeinsam schläft. Auch wenn viele hochsensible Menschen früher oder später den Wunsch verspüren, ein Bett für sich alleine oder besser noch einen ganzen Raum für sich alleine zu haben, ist es doch bei den meisten hochsensiblen Kindern so, dass sie sehr oft das Bedürfnis haben, die ganze Nacht körperliche Nähe zu spüren. Das gibt Sicherheit und mindert Angstzustände, die gerade bei hochsensiblen Kinder aus unterschiedlichen Gründen (näheres in einem eigenen Blogbeitrag) sehr häufig auftreten.Heutzutage herrscht herrscht leider immer noch oft die Meinung vor, dass Kinder lernen müssen, in ihrem eigenen Bett zu schlafen, dass man sie “verhätschelt”, wenn man sie in der Nacht mit zu viel Nähe verwöhnt und dass man ihre Selbständigkeit damit verhindert. Ich bin überzeugt davon, dass man nichts “Falsches” tut, indem man das intuitive, ganz natürliche Bedürfnis nach Nähe während der (bedrohlichen) Schlafphase unterstützt. Ja, es ist eine Herausforderung als Eltern jede Nacht ein (oder mehrere) Kinder bei sich im Bett liegen zu haben und es erfordert einiges an Anstrengung, damit gut umzugehen, aber: die Geborgenheit und natürliche Nähe, die Sie Ihrem Kind damit ermöglichen, ist es allemal Wert. Haben Sie keine Angst davor, Ihr Kind nicht mehr aus dem elterlichen Bett zu bekommen…das funktioniert 🙂
  7. Sagen Sie Ihrem Kind JEDEN Abend, zum Beispiel bevor Sie aus seinem Zimmer gehen: ICH HAB DICH LIEB <3

Still jetzt

Die Flügel meiner Seele umschließen dich leise.
In deinem zarten Gesicht, ganz in deine eigene Welt versunken, spiegelt sich meine ungeahnte Kraft.
Still jetzt, Wunder sind zerbrechlich.
Doch selbst wenn du die Augen öffnest, halten dich meine Flügel geborgen.

(geschrieben neben meiner schlafenden Babytochter vor mittlerweile 13 Jahren)

Wenn Sie mehr zum Thema Unruhe und Schlafschwierigkeiten bei hochsensiblen Kindern wissen möchten, habe ich 43 wertvolle Tipps in einem eBook zusammengefasst. Bis Sonntag 10.6.208 um 20:00 Uhr ist das eBook zum Vorteilspreis von 16 EUR (statt später 20 EUR) erhältlich 🙂
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