An alle Partner von hochsensiblen Menschen

 

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“I love you!” “Like adults do?” “No, for real!”

 

Viele hochsensible Menschen, mich eingeschlossen, fühlen sich oft mit absolutem Unverständnis ihrer Umwelt konfrontiert. Dabei macht es traurig, wenn vor allem die am nächsten stehenden Menschen nur hilflos den Kopf schütteln und daran scheitern zu verstehen bzw. wahrzunehmen, was im hochsensiblen Geist und Körper vorgeht. Oftmals kommt dann das Gefühl auf, nicht “gut genug” für den hochsensiblen Partner zu sein.

Vielleicht hilft es, ein paar Gemeinsamkeiten zu thematisieren, um aufzuzeigen, dass es anderen, nicht hochsensiblen Partnern, ähnlich ergeht.

  1. Wir hochsensiblen Menschen sind immer auf der Suche. Stehen bleiben und längere Zeit zur Ruhe kommen, fällt uns unglaublich schwer. Das hat größtenteils überhaupt nichts damit zu tun, dass wir mit unserem Partner unzufrieden sind, wir besitzen lediglich eine rastlose Seele, die ständigen Input braucht.
  2. Wir scheinen manchmal depressiv, der eigene sowie der Weltschmerz belasten uns sehr. Das liegt in den meisten Fällen nicht am Verhalten unseres Gegenübers, sondern an der Tatsache, dass wir enorm viele Gefühle wahr- und aufnehmen und ganz lange Zeit nicht verarbeiten können.
  3. Wir sind äußerst ambivalente Persönlichkeiten. Unsere Partner schütteln bei so viel hin und her oft verständnislos den Kopf und können nicht nachvollziehen, woher dieser Wankelmut kommt. Einer klaren Linie zu folgen ist für uns schwierig. Viele von uns (Scanner) sind vielseitig interessiert, legen ihr Interesse an einer Sache aber auch schnell wieder ab und wenden sich Neuem zu. Das hat nichts damit zu tun, dass wir nicht wissen, was wir wollen. Es liegt lediglich an der Tatsache, dass wir das Leben in all seinen Facetten verstehen und fühlen wollen.
  4. Viele von uns sind im Alltag unglaublich langsam. Die Schnelligkeit des Geistes muss durch ein verlangsamtes Außen kompensiert werden. Wir fordern unser Gegenüber oft gewaltig, wenn wir noch 3mal ins Badezimmer gehen (müssen) bevor wir außer Haus gehen, noch eine Tasse Tee davor trinken wollen oder keine Entscheidung über die Wahl der Schuhe treffen können.
  5. Wir sind sehr beeinflussbar von der Stimmung anderer Personen oder der Energie (Ausstrahlung) von Orten. Ein Tag, der mit positiver Stimmung beginnt, kann sofort ins Gegenteil umschlagen, wenn uns bewusst oder unbewusst die Energie von anderen Menschen oder Orten berührt oder unsere hochsensiblen Körper durch Lärm oder sonstige Einflüsse von außen belastet werden. Das ist für unsere Partner oft schwer auszuhalten, hat aber nichts damit zu tun, dass diese sich “falsch” verhalten.
  6. Wir sind unglaublich dankbar, wenn wir einen Menschen gefunden haben, mit dem wir über uns und unsere – manchmal etwas andere – Art das Leben wahrzunehmen, reden können.

DANKE an alle Partner, die unser Leben bereichern und ihres bereichern lassen!

 

Ich bin wütend und ich will nichts leisten!!!

Gestern war Elternabend.

Die Wörter und Sätze, die am häufigsten gefallen sind:

“Ihr Kind muss…”

“Leistung”

“leistungsstark”

“Leistungsdefizit”

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Ich musste mich sehr zusammenreißen, das, was sich dabei in meinem Kopf abspielte, nicht lautstark hinauszuschreien. Deshalb MUSS ich meinen Gedanken jetzt und hier Luft machen.

  1. Die Geschichte hat uns vieles beigebracht. Das, was immer noch total im Argen liegt, ist der Gedanke, dass Menschen wie Maschinen vom Schulsystem programmiert werden, um in ein leistungsstarkes Wirtschaftssystem zu passen.
  2. Nur wer leistet, ist auch WERT-voll. Mindestens Durchschnittsleistung zu bringen, hilft dem System, sich zu erhalten. Guter Durchschnitt bringt gut in Systeme passende Menschen (Maschinen).Wir haben immer noch nicht verstanden, dass der Wert eines Menschen in den ganz individuellen persönlichen Talenten und Begabungen liegt. Ich muss nichts leisten, sondern darf meine Begabungen in die Welt einbringen. Diese Begabungen liegen zu oft zu weit weg von den normierten Leistungsstandards (was für ein Wort in Verbindung mit Menschen) des Schulsystems, sind demnach nichts wert.
  3. Herausragende Abweichungen der Durchschnittsleistung bedeuten immer noch “Da ist ein Fehler in der Programmierung, hier brauchen wir ein ‘reset’, damit das Ding (‘Mensch’) wieder funktioniert.”

Ich wünsche mir aus ganzem Herzen, vor allem für meinen hochsensiblen Sohn in diesem Schulsystem, dass der technische Begriff “Leistung” irgendwann abgelöst wird von dem, dem eigenen Verstand und Herzen entspringenden Talent, sich als Mensch in die Welt einzubringen. Mit unterschiedlichsten Begabungen, die nicht mehr an einem Durchschnitt gemessen werden, sondern am WERT für jedes einzelne Individuum.

Ein erforderlicher Umbruch im gesamten Denken, im Schulsystem und im Wirtschaftssystem.

Ich habe vor kurzer Zeit meine Anstellung als Lehrerin endgültig gekündigt. Hochsensible Menschen sind schon im frühen Kindesalter keine Systemerhalter. Im besten Fall tragen sie dazu bei, Systeme zu hinterfragen und zu verändern, aufzuzeigen wo Lücken liegen und wo sich der Horizont eines Systems erweitern darf.