…und heute wär ich gern “normal”!

So. Alltag.

6:00 Uhr aufstehen. Keine Zeit für Yoga oder einen anderen Tagesbeginn, um anzukommen.

Jede Stufe, um ins Zimmer meiner Kinder zu kommen, ist eine Herausforderung.

#Warum nur können Schulen keine Gleitzeit haben….verdammtes System!!!#

Der Versuch eines munteren, gelösten “Guten Morgen, meine Schätze”. Es zerreißt mir das Herz, zu sehen, wie ich sie aus ihrem friedlichen Schlaf in die Realität rufen muss. Mein Sohn wacht mit den Worten auf: “Aaaaah, ich hab heut`Schularbeit!”

#Warum nur dürfen meine Kinder nicht in ihrem Tempo und ohne den Druck, abrufbare Leistung erbringen zu müssen, aufwachen?#

2 Katzen machen sich lautstark bemerkbar und folgen mir bis in den hintersten Winkel, meine Beine umschmeichelnd, um endlich ihr leibliches Wohl befriedigt zu bekommen.

#Warum nur kann man Leben nicht auch nur aus Schlafen, Fressen und Kuscheln bestehen?#

6:15 Uhr. Stress ist schon aufgestanden. Das Trampeln meines Sohnes, der widerwillig sein warmes Bett verlassen muss. Ich halte meine eigene Stimme nicht aus, als ich meiner Tochter erneut zurufe, sie soll endlich aufstehen. Für ein nochmaliges Stiegenklettern fehlt mir die Kraft.

Es ist noch dämmrig und still draußen. In mir drinnen kämpft der Lärm mit dem Widerstand.

Ich versuche ein “normales”: “Was wollt ihr denn frühstücken?” und bekomme Antworten, die ich nicht hören will.

#Warum nur kann ich meinen Kindern nicht einfach ihr Nutella, kalte Milch und Zuckermüsli hinstellen ohne sofort mit meinem schlechten Gewissen darüber, wie schlecht das vor allem für meinen hochsensiblen Sohn mit Neurodermitis und starken Konzentrationsschwierigkeiten ist, konfrontiert zu werden?#

6:40 Uhr. Draußen ist es immer noch ruhig. In mir tobt es. Meine Kinder können nicht aufhören ihren eigenen morgendlichen Widerstand aneinander mit mir verhassten Worten und Gesten zum Ausdruck zu bringen.

Mein frischgeduschter Mann geht an mir vorbei und ich werde wütend darüber, dass ihm dieser Alltagsstress/ Trott scheinbar nichts ausmacht. Ich schnauze ihn an, dass er doch die Mitteilungshefte der Kinder noch kontrollieren soll. “Ja klar, mach ich!”

#Wie kann man in so einem überfordernden Alltag, in einem System, das so unendlich viel fordert, nur so gelassen sein…verdammt, ich will das auch!!#

Ich bereite die Jausenbrote vor. Die Unordnung am Frühstückstisch ist eine Belastung für mich. An das Chaos im Zimmer meiner Kinder und im Badezimmer will ich nicht denken. Feng Shui ade. Die Anspannung der Kinder tut mir weh.

#Ist es meine?#

Mein Sohn wiederholt in einer Tour: “Sch…ich hab´heut´Schularbeit!” Dabei juckt es ihn am ganzen Körper. Ich überlege, ihm eine von den mir verhassten schulmedizinischen Tabletten zu geben, damit der Juckreiz nachlässt und er “konzentrationsfähig” wird.

Meine Tochter braucht, 1 Minute nachdem sie das Haus verlassen sollte, unbedingt noch MEIN neues T-shirt.

Ich versuche mit meinem unruhigen Geist meinen unruhigen Sohn zu beruhigen. Wir beide belasten uns in diesem Moment wohl mehr gegenseitig.

7:15 Uhr. Ich bin froh, die Kinder ins Auto meines Mannes zu entlassen. Ich weiß, dort kommen sie zur Ruhe.

Ich bin erschöpft und lasse mir den letzten Satz meines Sohnes noch einmal durch den Kopf gehen: “Jetzt sei nicht immer so genervt, Mama!”

Ich weiß so viel darüber, wie es ist als hochsensibler Mensch im Alltag zu leben, ich rede darüber, ich schreibe darüber, gebe meinen KlientInnen Tipps und glaube doch ganz schön oft, dass ich mein hochsensibles Leben gut im Griff habe und meine Veranlagung schätzen kann, aber:

…heute wär ich gern “normal”. Und tue mir selber leid.

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