„Schlaf gut!“ – 7 Herangehensweisen, achtsam mit den Schlafbedürfnissen unserer hochsensiblen Kinder umzugehen

Der Abend naht. Die gewünschte Ruhe auch. Die Antennen unserer hochsensiblen Kinder sind überstrapaziert. Wieder ein Tag mit unendlich vielen Eindrücken, Erlebnissen und damit verbundenen Gefühlen. Jetzt endlich zur Ruhe kommen. Gleichermaßen notwendig für Kinder und Eltern. Aber, dann:

„Mama, ich kann nicht schlafen!“

„Mein Bauch tut weh!“

„Papa, ich brauch noch was zu trinken!“

„Kann ich zu dir ins Bett?!“

„Ich hab´Angst!“

Hochsensible Kinder zur Ruhe zu bringen, ist oft eine besonders schwierige Herausforderung. Abends kommt es oft zum Supergau aus noch nicht verarbeiteten Eindrücken, damit verbundenen Unruhezuständen und oftmals auch Angst. Es ist nur verständlich, dass wir als Eltern oftmals mit Ärger und Unverständnis reagieren, sehnen wir uns doch selbst abends nach unserer wohlverdienten Ruhe. Manchmal fallen uns dann irgendwelche Ratgeber in die Hand, die uns vermitteln, dass wir mit der richtigen Konsequenz und Durchsetzungskraft unser Kind dauerhaft im eigenen Bett ohne viel „Tamtam“ zur Ruhe bringen können. Wir probieren es aus und es fühlt sich doch irgendwie nicht richtig an. Wir fühlen, dass unser Kind Bedürfnisse hat und stehen vor der Herausforderung, diesen bestmöglich zu begegnen und dabei auch auf unsere eigenen Grenzen zu achten.

Vielleicht helfen folgende Herangehensweisen dabei, das Schlafen und zur Ruhe kommen für unser Kind und uns selbst harmonisch zu gestalten:

  1. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind fixe Schlafenszeiten (sofern das altersmäßig bereits möglich ist). Fixe Zeiten geben Struktur, Halt und Sicherheit. Machen Sie Ihr Kind rechtzeitig abends darauf aufmerksam, dass bald Schlafenszeit ist. Ihr Kind kann sich gut darauf einstellen und darauf vorbereiten, dass die „Antennen und Systeme runtergefahren werden“.
  2. Bevor sich Ihr Kind ins Bett legt, helfen Sie ihm durch die Schüttelübung den vergangenen Tag abzustreifen, um so besser zur Ruhe zu kommen. Dazu stellt es sich hüftbreit und die Knie etwas gebeugt auf den Boden und beginnt nun aus den Knien heraus, den ganzen Körper durchzuschütteln. Dabei können Sie Ihr Kind anleiten, alles was es tagsüber aufgenommen hat und nicht mehr braucht, in den Boden zu schicken. Kindern macht es noch mehr Spaß, wenn Sie als Eltern diese Übung mitmachen und auch mit lautem und betontem Ausatmen begleiten.
  3. Wenn Ihr Kind im Bett liegt, setzen Sie sich noch einige Zeit zu ihm. Reden Sie in angenehmer, entspannter Atmosphäre über den verbrachten Tag. Fragen Sie ihr Kind: „Was hat dir heute am besten gefallen?“ und „Was hat dir gar nicht gefallen?“ Sie helfen Ihrem Kind so, die Eindrücke zu verarbeiten und stärken sein Selbstbewusstsein durch Ihr Interesse und Ihre Aufmerksamkeit.
  4. Verwenden Sie, wenn Ihr Kind im Bett liegt, noch einige Zeit für Körperkontakt. Besonders gut eignen sich jene Minuten, nachdem Ihnen Ihr Kind von den Eindrücken des Tages erzählt hat. Sie helfen so dem Körper Ihres Kindes beim Verarbeiten der Informationen, egal ob Füße massierend, streichelnd oder vorsichtig mit einem kleinen Ball den Körper abrollend.
    Die Knöchel und der Bereich um die Achillessehne sind besonders wichtige Stellen, um den Körper zur Ruhe zu bringen.
  5. Stellen Sie immer ein Glas Wasser für Ihr Kind bereit. Sollte Ihr Kind nicht gleich zur Ruhe finden, sagen Sie ihm, dass es immer dann, wenn es noch nicht gut einschlafen kann, einen Schluck Wasser trinken soll. Wasser hilft, das Stresshormon Cortisol, das in hochsensiblen Körpern im Übermaß vorhanden ist, abzubauen.
  6. Haben Sie keine Angst davor, das Falsche zu tun, wenn Sie Ihr Kind im eigenen Bett schlafen lassen bzw. Ihrem Kind nachts erlauben, ins Bett zu kommen. Die meisten Erwachsenen bevorzugen Doppelbetten und wollen nicht alleine schlafen. In früheren Zeiten war es völlig normal, dass die ganze Familie gemeinsam schläft. Auch wenn viele hochsensible Menschen früher oder später den Wunsch verspüren, ein Bett für sich alleine oder besser noch einen ganzen Raum für sich alleine zu haben, ist es doch bei den meisten hochsensiblen Kindern so, dass sie sehr oft das Bedürfnis haben, die ganze Nacht körperliche Nähe zu spüren. Das gibt Sicherheit und mindert Angstzustände, die gerade bei hochsensiblen Kinder aus unterschiedlichen Gründen (näheres in einem eigenen Blogbeitrag) sehr häufig auftreten.Heutzutage herrscht herrscht leider immer noch oft die Meinung vor, dass Kinder lernen müssen, in ihrem eigenen Bett zu schlafen, dass man sie „verhätschelt“, wenn man sie in der Nacht mit zu viel Nähe verwöhnt und dass man ihre Selbständigkeit damit verhindert. Ich bin überzeugt davon, dass man nichts „Falsches“ tut, indem man das intuitive, ganz natürliche Bedürfnis nach Nähe während der (bedrohlichen) Schlafphase unterstützt. Ja, es ist eine Herausforderung als Eltern jede Nacht ein (oder mehrere) Kinder bei sich im Bett liegen zu haben und es erfordert einiges an Anstrengung, damit gut umzugehen, aber: die Geborgenheit und natürliche Nähe, die Sie Ihrem Kind damit ermöglichen, ist es allemal Wert. Haben Sie keine Angst davor, Ihr Kind nicht mehr aus dem elterlichen Bett zu bekommen…das funktioniert 🙂
  7. Sagen Sie Ihrem Kind JEDEN Abend, zum Beispiel bevor Sie aus seinem Zimmer gehen: ICH HAB DICH LIEB <3

Still jetzt

Die Flügel meiner Seele umschließen dich leise.
In deinem zarten Gesicht, ganz in deine eigene Welt versunken, spiegelt sich meine ungeahnte Kraft.
Still jetzt, Wunder sind zerbrechlich.
Doch selbst wenn du die Augen öffnest, halten dich meine Flügel geborgen.

(geschrieben neben meiner schlafenden Babytochter vor mittlerweile 13 Jahren)

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