Was Ihnen helfen kann, Ihr hochsensibles Kind besser zu verstehen

“Individualität ist das, was mich von der Welt absondert. Liebe ist das, was mich mit ihr verbindet. Je stärker die Individualität, desto stärker erfordert sie Liebe.” (Walther Rathenau)

Individualität wird in unserer Gesellschaft in keinster Weise ausreichend wertgeschätzt. Viele von uns sind sich ihres eigenen Wertes nicht bewusst, weil ihnen nie Wert-Schätzung entgegengebracht wurde. Je mehr man sich von einer Norm unterscheidet, desto schwieriger ist es, selbst ausreichend gefestigt zu sein, um dem Strom liebevoll standzuhalten.

Hochsensiblen Kindern kann man kaum ein größeres Geschenk machen, als ihr anders-Sein von Anfang an Wert zu schätzen und liebevoll zu begleiten. Das gelingt wohl am besten, wenn man Einblick hat, was in ihrem wachen Geist und Körper vorgehen kann. Auch hier natürlich sind die Ausprägungen höchst individuell und noch lange nicht ausreichend definiert (sofern man überhaupt jemals als Außenstehender definieren kann, was die Komplexität eines anderen Menschen ausmacht 🙂

Zu den in verschiedensten Tests angeführten Kriterien hochsensible Kinder betreffend, ist es mir ein Anliegen, folgende besonders hervorzuheben und Möglichkeiten der Unterstützung zu ergänzen:

  • Schon früh ist bei hochsensiblen Kindern Tiefgründigkeit in der Erforschung sogenannter Menschheitsfragen zu erkennen:“Warum lebe ich?” “Wie funktioniert das Universum und was war davor?” “Warum gibt es so viel Leid auf dieser Welt?” Die Themen Tod und Sterben und auch gesellschaftliche und hierarchische Strukturen werden schon früh hinterfragt.
    Gehen Sie auf die Fragen und Gedanken Ihres Kindes ein – auch wenn Sie keine Antworten parat haben. Natürlich ist es schön, wenn Sie Ihre Sicht aufs Leben und die Welt kindgemäß (mit)teilen können – das schenkt Vertrauen. Machen Sie Ihr Kind auf jeden Fall darauf aufmerksam, dass diese Fragen richtig und wichtig sind und es die Antworten dazu Schritt für Schritt und im Lauf der Zeit bekommen wird. Das führt zum nächsten Punkt:
  • Viele hochsensible Kinder verfügen über eine präzise sprachliche  Ausdrucksweise. Selbst die Mehrheit der introvertierten hochsensiblen Kinder zeigt sich erstaunlich kommunikativ, wenn ihnen ehrliches Interesse an der Wahrnehmung ihrer Welt entgegengebracht wird.
  • Bei hochsensiblen Kindern ist die stark spürbare Verbundenheit mit der sie umgebenden Umwelt besonders ausgeprägt. Sie erleben sich als Teil des großen Ganzen. So können bereits als Kind intensive Gefühle von “Weltschmerz” auftreten, da die feinen Sensoren hochsensibler Kinder nicht nur ihre unmittelbare Umgebung, sondern auch kollektiv vorherrschende Energien (Angst, Unsicherheit…) wahrnehmen.
    Sie werden wahrscheinlich nicht immer gleich nachvollziehen können, was auf die Gefühlslage Ihres hochsensiblen Kindes gerade Einfluss nimmt. Ein Kind, das morgens beispielsweise noch sehr gut gelaunt war, sitzt nachmittags, nachdem es einen Freund besucht hat, weinend im Zimmer, weil es mitbekommen hat, dass der unbekannte Onkel seines Freundes gestorben ist.
    Respektieren Sie so gut es geht die Gefühle Ihres Kindes – auch wenn Sie sie nicht nachvollziehen können und vermeiden Sie den Satz: “Es gibt keinen Grund, dich so zu fühlen!”
  • Hochsensible Kinder besitzen oftmals große Wahrnehmungsbegabung und ausgezeichnete Beobachtungsgabe jenseits des herkömmlichen Alltagsverständnisses. So können Befindlichkeiten anderer Personen im eigenen Körper wahrgenommen werden oder Gedanken “gelesen” werden.
    Das kann Kinder wie Eltern völlig überfordern. Hier liegt die große Herausforderung, behutsam zu unterscheiden, welches die eigenen Gefühle des Kindes sind und welche “übernommen” werden. Wenn Ihnen diese Unterscheidung gelingt, machen Sie Ihr Kind behutsam auf seine Gabe aufmerksam und unterstützen Sie es dabei, Bewusstsein dafür zu entwickeln.
  • Die sinnlichen Wahrnehmungen hochsensibler Kinder sind stark ausgeprägt. Vor allem ihr Geschmacks- und Geruchserleben können sehr auffällig sein. Sie werden oft als heikel angesehen, da sie schon sehr früh für sich auswählen können, was ihr Körper verträgt und was ihn überreizt.
    Versuchen Sie darauf zu vertrauen, dass ihr hochsensibles Kind weiß, was ihm gut tut. Die somatische Intelligenz (=Körperintelligenz) Ihres Kindes ist genauso gut ausgeprägt wie die restliche Wahrnehmung.
  • Oftmals neigen hochsensible Kinder schon frühzeitig zu Ticks und Zwängen, meist ungewöhnliche und unmerkliche Körperbewegungen (Schnippen der Finger…) oder Aktionen (Reiben an der Hosentasche…). Der Körper zeigt schon früh An- und Verspannungen als Reaktion auf Stress. Die Schmerzempfindlichkeit und die Tendenz zu Hauterkrankungen und Allergien ist erhöht. Viele hochsensible Kinder wirken dünnhäutig und der Körper reagiert mit Aggression, wenn seine Grenze überschritten wird.
    Für mich hat sich hier gezeigt, wie wertvoll es ist, hier mit vollem Verständnis zu agieren. Wenn Sie einen möglichen Tick Ihres Kindes mit ihm ansprechen und ihm ein Gefühl von “das ist ok” vermitteln, kann es besser damit umgehen und der Tick wird sich im besten Fall bei mehr und mehr Entspannung lösen.
    Zum Thema Hauterkrankungen und Allergien lesen Sie auch meinen Gastartikel bei Ernährungsberatung Mag. Katharina Ziegelbauer.

Viel Freude und Geduld beim Entdecken der Seelenlandschaft Ihres hochsensiblen Kindes!

 

Welche Schule ist die richtige für mein hochsensibles Kind?

Die “richtige” Schule – wohl eines der wesentlichsten Themen für alle Eltern von hochsensiblen Kindern. Und ein Thema, das mit großen Emotionen verbunden ist, sowohl für die Kinder als auch für die Eltern. In der 9-jährigen Pflichtschulzeit fließen oft Unmengen an Tränen auf beiden Seiten, toben Anpassungskämpfe und große Wut über das “nicht verstanden werden”. Die Situation erscheint oft aussichtslos, da man mit hochsensiblen Bedürfnissen sehr schnell an die Grenzen eines Systems stößt, das

  • genormt
  • unflexibel im Denken
  • und an einer Gesellschaft orientiert ist, die noch nicht ausreichend bereit ist nach Innen zu schauen und anzuerkennen, wie bereichernd und zukunftsweisend es sein kann, ein oder mehrere Kinder in der Klasse zu haben, die sich an ein vorhandenes System nicht anpassen können und wollen.

Alles Aspekte, die für hochsensible Kinder absolut hinderlich sind, sich aufgehoben und begleitet zu fühlen. Was also tun, um das eigene hochsensible Kind ohne großen Leidensdruck durch eine Schulzeit zu führen, die im besten Fall dazu beiträgt den eigenen Lebensweg selbst-bewusst und mit selbst-Vertrauen zu gehen?

  • Achten Sie darauf, Ihr Kind nicht zu früh einzuschulen. In vielen Fällen mag der Intellekt des Kindes schon sehr früh so weit ausgebildet sein, dass eine vorzeitige Aufnahme im Sinne der Anforderungen absolut machbar wäre. Auf der emotionalen Seite zeigt sich jedoch oft, dass hochsensible Kinder, die früh eingeschult werden, sehr instabil auf den schnell vorherrschenden Anpassungsdruck reagieren.
  • Informieren Sie sich genau, schauen Sie genau hin und vor allem spüren Sie genau hin, welche Schule für die Bedürfnisse Ihres hochsensiblen Kindes die richtige ist. Viele Eltern sehen im alternativen Schulsystem den ersehnten Ausgleich für ein zu vorhersehbares und eng strukturiertes klassisches Schulsystem. Alternative Schulen haben den Vorteil, dass sie sicher mehr auf die Individualität jedes Kindes eingehen als klassische Systeme. Der Nachteil, den man hier sehr oft findet, ist jener, dass sich das hochsensible Kind in chaotischen Strukturen wiederfindet, wo oftmals der Rahmen fehlt, sich festzuhalten und zu orientieren. Das eine Extrem eines zu engmaschigen Systems und das  andere Extrem eines zu weitläufigen und unorganisierten Miteinanders sind beide nicht förderlich für die Bedürfnisse hochsensibler Kinder. Gute Alternativschulen haben einen klar abgesteckten Rahmen, in dem sich jedes Kind in seinem eigenen Tempo und mit seinem eigenen unverwechselbaren Potential einbringen kann. Die Kinder werden liebevoll und rücksichtsvoll begleitet. Systeme leben durch die Personen, die sich darin bewegen. Demnach kann man liebevolle Begleitung auch in klassischen Schulsystemen finden, die Möglichkeit der Rücksichtnahme auf das eigene Tempo und die individuellen Bedürfnisse ist allerdings eingeschränkt. Die zu erreichenden Lerninhalte sind (leider) noch die gleichen. Auch gibt es nicht für jedes klassische System eine Alternative (das österreichische “Gymnasium” beispielsweise kennt kein alternatives System). Die Möglichkeit, das eigene Kind zu Hause oder in privaten Schulverbänden zu unterrichten ist eine, die in den letzten Jahren immer mehr Beachtung findet.
  • Vermeiden Sie Überidentifizierung. Gerade wenn Sie als Elternteil selbst hochsensibel sind und ihre Schulzeit in schlechter Erinnerung haben, neigen Eltern hochsensibler Kinder zu Überidentifizierung. Die eigene Wahrnehmung, der eigene Widerstand und die eigene Hilflosigkeit einem System gegenüber werden auf das Kind übertragen.
  • Verständnis vor Mitleid. Reden Sie viel mit Ihrem Kind darüber, wie es sich fühlt. Sollten Probleme auftreten, versuchen Sie Ihr Kind mit einfühlsamen Verständnis zu stützen. Achten Sie jedoch darauf, es nicht zu sehr “runterzuziehen”, weil sie mitleiden. Machen Sie sich immer bewusst, dass Ihr Kind Situationen mit Sicherheit des Öfteren anderes wahrnimmt als Sie (Überidentifizierung!) und dass Sie mit weniger Mitleid schneller zu einer entspannten Situation beitragen können.
  • Helfen Sie Ihrem Kind, sich im Schulalltag gut zurechtzufinden. Wenn Sie sich rechts → in meinen Newsletter eintragen, erhalten Sie 10 Tipps, die Ihnen und Ihrem hochsensiblen Kind helfen können, zu mehr Ruhe im Schulalltag zu kommen.

“Man wird nur dadurch dem Menschen gerecht, dass man in jedem einzelnen einen neuen Menschen sieht.”

Rudolf Steiner

 

 

Mein hochsensibles Schulkind steht unter Dauerstrom – wie kann ich es erden?

Unsere hochsensiblen Kinder haben tausende Antennen. Für alles. In einem Alltag, der auf “Schneller – Höher – Lauter – Weiter” ausgerichtet ist, fällt es umso schwerer, diese Antennen auf BEWUSSTEN Empfang einzustellen. Vielmehr passiert es sehr oft, dass das ungefilterte und dauerhafte Empfangen von Signalen zu Dauererregung eines hochsensiblen Kinderkörpers führt.

Hohe Reizbarkeit, Wutausbrüche, Aggression und emotionale Achterbahnfahrten sind die Folge. Viele Eltern hochsensibler Kinder wissen das und versuchen dieses Szenario auszugleichen, indem sie besonders bemüht sind, ihrem hochsensiblen Kind sportliche Aktivitäten, Musikangebote, Theaterbesuche oder dergleichen zu bieten.

Vor allem Sport kann ein sehr gutes Mittel sein, um die vermehrt ausgeschütteten Stresshormone eines hochsensiblen Körpers abzubauen. Das Lernen eines Musikinstruments ist eine sehr gute Möglichkeit, den ständig bewegten Geist zur Ruhe zu bringen und ein Theaterbesuch oder ein Besuch bei guten Freunden kann sehr bereichernd für die hochsensible Seele sein.

ABER VORSICHT!

Jede dieser Situationen birgt die Gefahr weiterer Überreizung.

Nach einem anstrengenden Schultag, der für viele Kinder bis in den späten Nachmittag dauert und tausenden Eindrücken, die bis dahin schon den hochsensiblen Körper und Geist erreicht haben, kann jede zusätzliche Aktivität statt gewünschtem Ausgleich das Gegenteil bewirken und das Verarbeiten des Alltags noch mehr erschweren.

Es erfordert sehr viel Feingefühl, hier die Grenze zu ziehen und seinem Kind sowohl essentielle Anreize als auch bewusste Ruhephasen zu ermöglichen. Es ist sehr wertvoll, möglichst früh damit zu beginnen, seinem hochsensiblen Kind diese notwendige Balance im Alltag nahezubringen.

Hier ein paar Möglichkeiten, wie Sie Ihr Kind bestärken, immer wieder hinzuspüren:

  • Geben Sie Ihrem Kind nach einem anstrengenden Schultag genug Zeit, um zu Hause anzukommen. Fragen wie:” Wie war es heute in der Schule?” und “Hast du deine Jause gegessen?” können und wollen von einem überanstrengten Geist nicht beantwortet werden. Ein gutes Essen, ein warmer Tee und einfach die Möglichkeit in Stille und im eigenen Tempo anzukommen, wirken Wunder, damit der bewegte Geist im Körper zur Ruhe kommt.
  • Geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, den Rest des Tages selbst zu planen und zu strukturieren. Natürlich brauchen kleinere Kinder hier noch etwas mehr Anleitung, aber so lernen hochsensible Kinder schon früh in sich hineinzuspüren und wahrzunehmen, wie sich ihr Energiehaushalt anfühlt. Lassen Sie Ihr Kind immer wieder ansprechen, wie es sich fühlt. Das mag am Anfang ein bisschen schwierig sein, aber je öfter Kinder damit konfrontiert werden, in sich hineinzuspüren, desto öfter werden sie Worte dafür finden. Damit können Sie Ihrem Kind schon frühzeitig helfen, sich nicht selbst zu überfordern.
  • Berühren Sie ihr hochsensibles Kind so oft es geht und so oft es das zulässt. Hochsensiblen Kindern fehlt oft das, was wir Erdung nennen. Durch Berührungen holen wir ihren bewegten Geist in ihren Körper zurück und helfen ihnen so immer wieder im Alltag anzukommen und sich zu entspannen.
  • Manchen Kindern (auch Erwachsenen) macht es Spaß, am Abend, bevor sie ins Bett gehen, die “Schüttelübung” zu machen. Dazu stellen sie sich hüftbreit und die Knie etwas gebeugt auf den Boden und beginnen nun aus den Knien heraus, ihren ganzen Körper durchzuschütteln. Dabei können Sie Ihr Kind anleiten, alles was es tagsüber aufgenommen hat und nicht mehr braucht, in den Boden zu schicken. Dabei können vor der Übung 2 Fragen unterstützen: “Was hat dir heute am Besten gefallen?” und “Was hat dir gar nicht gefallen?” – das, was nicht gut war, darf einfach abgeschüttelt werden.

Viel Erfolg und eine schöne ruhige Zeit mit Ihrem Kind!

“Schulsystem adieu” – Wie hochsensible Kinder beitragen können, das Schulsystem zu reformieren

„Wir arbeiten an der Verengung, nicht an der Erweiterung des Bewusstseins.“

Ein Satz, den ich in diesem Zusammenhang einmal gelesen habe und der mir in Erinnerung geblieben ist. Den unterschiedlichen Wahrnehmungskanälen, die bei allen, vor allem aber bei hochsensiblen Kindern, vorhanden sind, wird im Regelunterricht in keinster Art und Weise Rechnung getragen.

Konzentrieren und Fokussieren auf ein Ziel sind ebenso wichtig und wertvoll für Kinder wie das angeleitete Ausdehnen der unendlichen Weiten der Seele. Die Vermittlung dieses Wertes ist ebenso sehr als Unterrichtsziel zu pflegen wie alle fokussiert kognitiven Inhalten, die den Intellekt fordern und fördern. Dieser Balance wird im jahrelang gewachsenen Regelschulsystem in keinster Art und Weise Rechnung getragen.

Dass das Schulsystem aus unterschiedlichen politischen und strukturellen Gründen auseinanderbröckelt und den verschiedenen Bedürfnissen nicht gerecht werden kann, ist eine Tatsache.

Für die Bedürfnisse hochsensibler Kinder ist es höchste Zeit das Bewusstsein dem Thema der Hochsensibilität gegenüber zu erweitern, um den Wert der besonderen Eigenschaften schätzen zu können.

Diese besonderen Eigenschaften sind es, die dem Schulsystem zur Veränderung verhelfen können.

Frei nach Pink Floyd „We don`t need no education, we don`t need no thought control….“ – alle Kinder, vor allem hochsensible Kinder, brauchen Begleitung dabei, ihr ureigenes Potential erkennen, erleben und ausleben zu dürfen und dazu gehören nicht nur intellektuelle Fähigkeiten und Fertigkeiten, sondern auch sogenannte neue oder vielmehr wiederentdeckte Werte wie:

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Achtsamkeit sich selbst, seinem Körper und der Umwelt gegenüber

Es kann wohl nicht jedes Kind anfangen zu meditieren, um Achtsamkeit zu lernen. Das ist in den Kulturkreisen der Kinder unserer Klassen in Mitteleuropa (noch) nicht möglich. Das bewusste Anleiten zur Stille allein führt schon zu einer erweiterten Wahrnehmung und zu mehr Gespür für sich selbst und seine Umwelt, um dem Lärm, der Aggression und Hektik entgegenwirken zu können.

Ein Mensch, der gelernt hat, bei sich zu sein und in sich ankommen zu können, wird viel Positives nach Außen tragen.

Angstfreiheit

Die Angst, nicht zu genügen, nicht mithalten zu können mit der vorgegebenen Norm und deren Bewertung durch Noten ist eine große in unseren Schulen. Angst blockiert jedes Potential, Angst hemmt Kreativität.

Unsere Gesellschaft ist eine Angstgesellschaft. Angst nicht mitmachen zu können beim Konsumwahn, Angst nichts zu erreichen, was im harten Business Alltag als anstrebenswert gilt, Angst, zu versagen, Angst zu kurz zu kommen, Angst, dass jemand anderer besser, schöner und liebenswerter ist….

Angstfreiheit zu lehren bedeutet zunächst einmal Selbst-Bewusst-Sein zu schaffen, um die Sicherheit zu geben, dass man sich selbst genügt. Außerdem überzogene Leistungsansprüche kritisch zu hinterfragen, keine Durchschnittsnorm zu forcieren, keine Zentralmatura durchzusetzen, sondern die notwendige Vielfalt der Gesellschaft zu fördern. Jeder kann und wird seinen Platz finden, ohne am Leistungsgedanken und der Vorstellung funktionieren zu müssen zu zerbrechen.

Selbstverantwortung

Die Sicherheit zu vermitteln, dass jeder Mensch für sein Leben selbst verantwortlich ist, dass jeder selbst entscheiden und gestalten kann, ist wesentlich, um Umbrüche in der Gesellschaft zu forcieren und um keine Opferrollen mehr zuzulassen.

Menschen, die sich entscheiden können, die Angstszenarien der Medien, der Politik und des Leistungskonsums im Allgemeinen zu ignorieren und ihre gesamte Aufmerksamkeit der bewussten positiven Zukunftsgestaltung schenken, werden zu Veränderungen beitragen.

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Natürlich führt all das letztlich zu gravierenden Einflüssen auf die bestehende Gesellschaftsstruktur, die durch das erweiterte Bewusstsein in ihren Grundpfeilern durchgerüttelt wird.

Mündige Menschen, die keine Angst haben, nicht der Norm zu entsprechen, die sich nicht durch Konsum und Leistungsstreben ihren Selbstwert bestätigen müssen, die verantwortlich mit ihren Grenzen und ihrem Potential umgehen, werden Schritt für Schritt ein auf Unmündigkeit und Angst aufgebautes System verändern.

Jede Veränderung beginnt mit dem Gedanken daran, dass es möglich ist. Fangen wir zu denken an!!

 

Ich bin wütend und ich will nichts leisten!!!

Gestern war Elternabend.

Die Wörter und Sätze, die am häufigsten gefallen sind:

“Ihr Kind muss…”

“Leistung”

“leistungsstark”

“Leistungsdefizit”

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Ich musste mich sehr zusammenreißen, das, was sich dabei in meinem Kopf abspielte, nicht lautstark hinauszuschreien. Deshalb MUSS ich meinen Gedanken jetzt und hier Luft machen.

  1. Die Geschichte hat uns vieles beigebracht. Das, was immer noch total im Argen liegt, ist der Gedanke, dass Menschen wie Maschinen vom Schulsystem programmiert werden, um in ein leistungsstarkes Wirtschaftssystem zu passen.
  2. Nur wer leistet, ist auch WERT-voll. Mindestens Durchschnittsleistung zu bringen, hilft dem System, sich zu erhalten. Guter Durchschnitt bringt gut in Systeme passende Menschen (Maschinen).Wir haben immer noch nicht verstanden, dass der Wert eines Menschen in den ganz individuellen persönlichen Talenten und Begabungen liegt. Ich muss nichts leisten, sondern darf meine Begabungen in die Welt einbringen. Diese Begabungen liegen zu oft zu weit weg von den normierten Leistungsstandards (was für ein Wort in Verbindung mit Menschen) des Schulsystems, sind demnach nichts wert.
  3. Herausragende Abweichungen der Durchschnittsleistung bedeuten immer noch “Da ist ein Fehler in der Programmierung, hier brauchen wir ein ‘reset’, damit das Ding (‘Mensch’) wieder funktioniert.”

Ich wünsche mir aus ganzem Herzen, vor allem für meinen hochsensiblen Sohn in diesem Schulsystem, dass der technische Begriff “Leistung” irgendwann abgelöst wird von dem, dem eigenen Verstand und Herzen entspringenden Talent, sich als Mensch in die Welt einzubringen. Mit unterschiedlichsten Begabungen, die nicht mehr an einem Durchschnitt gemessen werden, sondern am WERT für jedes einzelne Individuum.

Ein erforderlicher Umbruch im gesamten Denken, im Schulsystem und im Wirtschaftssystem.

Ich habe vor kurzer Zeit meine Anstellung als Lehrerin endgültig gekündigt. Hochsensible Menschen sind schon im frühen Kindesalter keine Systemerhalter. Im besten Fall tragen sie dazu bei, Systeme zu hinterfragen und zu verändern, aufzuzeigen wo Lücken liegen und wo sich der Horizont eines Systems erweitern darf.

Zusammenhang von Autismus und Hochsensibilität?

Version 3

Ich stimme Elaine Aron gänzlich zu bei diesem Interview vor einiger Zeit. Mit der einzigen Ausnahme, dass ich es, entgegen ihrer Aussage, in jedem Fall für möglich halte, dass Autismus und Hochsensibilität zusammenhängen (können).

Autistische Menschen

  • nehmen sehr viele Details wahr.
  • fühlen sich in sozialer Interaktion schnell überfordert.
  • sind sehr schnell gestresst bei zu viel Lärm und zu vielen Menschen.
  • haben eine Abneigung “smalltalk” gegenüber.

Nur einige Eigenschaften, die sich mit jenen hochsensibler Menschen decken.

Jedoch ist dann da noch folgendes Problem: Autistischen Menschen wird oftmals das Vermögen, sich in andere hineinzuversetzen und in sozialen Situation angemessen zu interagieren, aberkannt.

Die Wissenschaft ist uneinig.

Ich möchte hier noch folgende Worte eines Briefes von meiner autistischen Schülerin Katharina (15 Jahre, Asperger Syndrom) zitieren. Als ich den Brief bekam, war ich längere Zeit im Krankenstand und mit ihr lediglich in telefonischem Kontakt:

“. . . Deshalb brauch ich dich, und du fehlst mir so sehr! Mit den anderen Lehrern und auch alleine schaffe ich das einfach nicht! Ich kann meine Probleme nur mit dir als einzige lösen, weil du mir ein vertrauenes Gefühl von dir für mich zeigst! Also bitte bitte ruhe dich ganz fest aus, damit du dieses Jahr noch kommen kannst, und solange ich auch noch hier bin, falls ich wieder mit wem Probleme habe,dass du auch wieder „meine Probleme lösen kannst, damit es mir für dieses 2 Semester (noch dieses Jahr) gut gehen kann mit dir“! Aber trotzdem wünsche ich dir nur gute gute Besserung und ich würde dir einen Tipp geben: Entweder du könntest dir Schlaftabletten besorgen,damit du auch die ganze Nacht durchschlafen kannst, ohne dass du ständig in der Nacht wach wirst, oder du tust irgent etwas gegen deine Krankheit, dass du vielleicht gegen sowas „Medikamente“ besorgen und nehmen könntest! Oder du besorgst wieder das Silberwasser was dir letztes mal bisschen geholfen hat! Ich wünsche dir noch alles gute,und werde bitte schnell wie möglichst gesund. Ich hab dich lieb! Deine Cat.”

(Anmerkung: mit Katharinas Erlaubnis gepostet)