„Aber ich kann es doch spüren“ – Warum ich dieses Buch geschrieben habe.

Aber ich kann es doch spüren – Hochsensibilität als Potential nutzen. Mit Schwerpunkt Schule.

Warum ich dieses Buch geschrieben habe und was mir als hochsensible Frau, Mama eines hochsensiblen Sohnes (und einer sensiblen TochterJ, ehemalige Lehrerin und Scannerpersönlichkeit (mit Hang zum High Sensation Seeking) wichtig ist:

Ganz kurz – für alle, die (noch) nicht wissen, was sie mit den Begriffen Scanner und High Sensation Seeker anfangen sollen…

Scanner: sind Menschen, die ständig auf der Suche nach neuem Input sind, vielseitig interessiert sind, sich nicht gern festlegen, schwer fokussieren können und vielbegabt sind

(siehe auch: http://www.hochsensibilitaet.at/hochsensible-scanner-ich-bin-viele/)

High Sensation Seeker: sind Menschen, die die Balance zwischen höchster Anregung (=high sensation) und absolutem Rückzug brauchen. Nur 1 Seite auszuleben, macht sie auf Dauer krank.

 

Kennst Du das?

 

So, warum jetzt dieses Buch:

Jahrzehntelang war ich auf der Suche nach mir selbst. Ich konnte so Vieles, was da um mich herum passierte, wahrnehmen aber nicht einordnen. Ich war öfters unglücklich, fühlte mich schwer und traurig. Und ich habe mich sehr oft verstellt – um so zu sein wie die anderen – ohne zu wissen wer ICH bin.

Viel suchen, viel hinterfragen, viele Erfahrungen, viele Gespräche und viele Tränen, aber auch viele schöne Erlebnisse später, bin ich mir Schritt für Schritt näher gekommen.

Ich habe gelernt (und lerne immer noch) meine Bedürfnisse zu akzeptieren und zu leben.

Ich lerne meinen hochsensiblen Sohn als eigenständige Persönlichkeit (auch wenn er mir noch so ähnlich ist) da sein zu lassen und mich gesund abzugrenzen.

Ich lerne mein hochsensibles Mama Sein so zu nutzen, dass ich meinen Kindern Halt und Sicherheit geben kann.

Und ich habe gelernt – und lerne immer noch – beruflich mit meinen Herzensthemen zu arbeiten.

Ein langer, unsteter Weg – aber ich weiß, dass er zum Ziel führt :-).

Mit meinem Buch möchte ich dazu beitragen, Bewusstsein zu schaffen für Bedürfnisse hochsensibler Menschen, vor allem Kinder, in einer Gesellschaft, die diesbezüglich noch wenig Bewusstsein hat.

Je mehr wir hochsensiblen Menschen unser Potential leben und in die Welt einbringen können, umso mehr helfen wir mit, eben dieses Bewusstsein hervorzubringen.

Literatur über das Thema Hochsensibilität gibt es mittlerweile zahlreich.

Ich wollte mich als ehemalige Lehrerin und Mama eines hochsensiblen Sohnes vor allem dem Thema Kinder und Schulalltag annehmen.

Schule als Organisationsform mit starren und zumeist alten Strukturen ist für die meisten unumgänglich.

Ich bin überzeugt davon, dass sich auch das Schulsystem (so wie alle anderen starren und leidvollen Strukturen in Zukunft verändern (müssen).

Hochsensible Kinder können hier richtungsweisend sein, indem sie aufzeigen, was unbedingt beachtet werden muss und welche Bedürfnisse unsere Gesellschaft (wieder) ernst nehmen muss.

Jetzt aber leben wir noch in einem Alltag, der bestimmt ist von Stress – zu viel, zu laut, zu intensiv, zu schnell, zu unpersönlich und vor allem zu verstandesorientiert.

Mit meinem Buch möchte ich dazu beitragen, noch ein bisschen mehr in das Thema Hochsensibilität einzutauchen, und noch ein bisschen genauer wahrzunehmen, welche komplexen Aspekte hier Beachtung brauchen. Ich zeige einfache Möglichkeiten auf, sich selbst und sein hochsensibles Kind zu unterstützen auf einem Weg, der wichtig ist, um unsere Zukunft zu gestalten.

 

 

Ich möchte mich bedanken, weil ich unendlich dankbar bin

Seit etwas mehr als einem Jahr ist in meinem Leben nichts mehr so wie vorher. Ich habe endlich – nach vielen wertvollen, anstrengenden, aufregenden, erhellenden, erschütternden und aufwühlenden Erfahrungen – meine Berufung zum Beruf machen dürfen.

*** ICH LIEBE MEINE ARBEIT AUS GANZEM HERZEN ***

Lange Zeit hätte ich mir nicht gedacht, das jemals sagen zu können. Ständig habe ich mich fehl am Platz gefühlt, war unendlich ausgelaugt und energieleer, bin durch sehr viele Tiefen gegangen, habe ihn aber immer deutlich gespürt: Den Herzensruf, der mir immer wieder den Weg ebnete, um weiter zu gehen.

Es erfüllt mich mit großer Dankbarkeit und mit viel Respekt vor dem Leben, Menschen in ihrem SO-SEIN unterstützen zu dürfen, ihnen aus eigener Erfahrung Mut machen zu können, sie abholen und ein Stück weit auf ihrem Weg begleiten zu dürfen.

Im letzten Jahr ist so viel passiert…

Ich sehe meine Aufgabe darin, Menschen zu Be – Rühren. Etwas aufzuwühlen, das schon lange schlummert, um endlich angenommen und gelebt zu werden.

Ich schätze die Gespräche mit unterschiedlichsten Menschen so sehr. Auch ich kann immer sehr viel davon mitnehmen.

Es braucht viel Vertrauen, um den Körper eines Menschen wirklich berühren und in die Tiefe vordringen zu können.

Ich durfte ein Interwiev für Ö1 geben (wird bald gesendet), werde in einem Fach Artikel auf gesund.at als „Expertin“ genannt (auch dieser erscheint bald), durfte Workshops und Seminare halten, habe mein Buch über Hochsensibilität in Alltag und Schule fertig geschrieben, das voraussichtlich Ende Februar erscheint und darf kommendes Jahr endlich auch auf der Pädagogischen Hochschule eine Fortbildung zum Thema Hochsensibilität anbieten.

Es ist mir ein so unendlich großes Anliegen, BewusstSein zu schaffen. Dadurch glaube ich, geht vieles so viel einfacher. Weg von gesellschaftlichen Norm-Vorstellungen, hin zur bewussten, achtsamen und individuellen Gestaltung unseres Lebens.

Ich bedanke mich aus ganzem Herzen bei Euch, die Ihr

…meinen Blog lest,

…mir Kommentare schreibt und Feedback gebt,

…mir Euer persönliches Vertrauen schenkt.

Das treibt mich unglaublich an, weiterzumachen und den Weg weiterzugehen.

*** DANKE DAFÜR ***

Hier ein paar Zeilen, die mir persönliche KlientInnen als Feedback weitergegeben haben:

***

Liebe Karin,

vielen vielen Dank!

Wir haben schon einige Techniken ausprobiert und S. gefallen sie gut :o). Ich bin auch entspannter seit unserem Gespräch!

***

 Sehr geehrte Fr. Abriel!

 Ich bin dabei mein eigenes Verhalten während Maxis Wutanfällen zu ändern. Mehr ICH-Botschaften und auch ihm mehr Zeit alleine geben, bis ich zu ihm gehe. Das ist ein großer Lernprozess für mich!

Ansonsten war ich heute bei meiner/unserer Therapeutin um mit ihr zu besprechen, wie wir das Bearbeiten der Altlasten die Max und mich belasten angehen.

Es liegt noch ein langer Weg vor uns. Aber es tut im Moment einfach gut, „dass das Kind einen Namen bekommen hat“. Will heißen: wir wissen jetzt was bei uns los ist. Und damit haben wir eine Basis von der Weg wir arbeiten werden. Ich bedanke mich also vielmals bei ihnen für das wertvollste Telefonat, das ich je geführt habe!

 ***

 Hallo Frau Abriel,

Vielen lieben Dank für das gute Gespräch. Habe mich sehr gut dabei gefühlt und bin mir jetzt sicher das wir soviel nicht falsch gemacht haben und kann jetzt vieles besser einordnen. Danke

 ***

 Liebe Frau Abriel,

 vielen Dank für die gute Zusammenfassung und die wertvollen Tipps. Wir werden nun versuchen, Ihre Empfehlungen umzusetzen und schauen wie’s weiterhin läuft. 

 ***

 Liebe Karin, 

 Wir haben das Gefühl, dass unser Gespräch uns sehr geholfen hat, A. (und auch oft uns selber) besser zu verstehen. Langsam scheint eine harmonischere Beziehung in unsere Familie einzukehren.

***

 Sehr geehrte Frau Abriel!

 Vielen Dank für das tolle Gespräch gestern und die Zusammenfassung mit den Tipps.

Wir werden versuchen diese bestmöglich umzusetzen.

 ***

 Liebe Frau Abriel!

 J. hat freitags sehr entspannt und ausgeglichen gewirkt. Ich habe ihn daweil nur auf den Körperarbeitsteil angesprochen und er hat gesagt, dass er seinen Körper gut spüren kann und „dass jetzt alles wieder zu ihm gehört“. 😉

Ihre Meinung finde ich sehr hilfreich und bereichernd. 

 Danke!!!

 ***

„Warum bin ich manchmal so hilflos?“ – oder: Das starke Band zwischen hochsensiblen Kindern und Eltern

 

Viele von Euch kennen sicher folgende Situationen, vor allem dann, wenn Ihr selbst ein hochsensibler Elternteil seid:

  • Noch bevor Dein Kind in einer angespannten Situation zum Beispiel wütend wird, spürst Du die Wut Deines Kindes bereits am eigenen Leib. Du übernimmst sie praktisch und wirst auch selbst wütend. Das macht die Situation natürlich nur noch anstrengender für alle.
  • Du beginnst schrecklich zu leiden, wenn sich Dein Kind weh getan hat. Du spürst die Schmerzen am eigenen Körper.
  • Du gehst stark in den Widerstand, wenn Dein Kind in einer Situation ist, die Du selbst schwer aushältst – zum Beispiel das Thema Schule. Du leidest darunter, dass Dein Kind in die Schule geht.
  • Du willst Deinem Kind aus ganzem Herzen alle Themen abnehmen, unter denen du als Kind oder auch noch als Erwachsener gelitten hast oder leidest.

Das starke Band zwischen Dir und Deinem Kind ist ein wunderbares Geschenk. Es ermöglicht Dir, bestmöglich auf die Bedürfnisse Deines Kindes einzugehen. Schwierig wird es dann, wenn Du

  • dich oft gestresst und belastet fühlst.
  • das Gefühl hast, völlig hilflos den oftmals starken Gefühlen Deines Kindes gegenüberzustehen.

Folgende Aspekte können Dir dabei helfen, Dich mehr in Deine Stärke im Umgang mit Deinem hochsensiblen Kind zu bringen:

1. Der Schritt nach Außen

In belastenden und anstrengenden Situationen mit Deinem Kind kann es helfen, ganz bewusst ein paar Schritte raus aus der Situation zu machen. Entweder tatsächlich nur ein paar Schritte oder auch ganz raus aus dem Zimmer und der Umgebung. Das hilft, das starke Band ein wenig zu lockern und zu vermeiden, dass Eure Gefühle ineinander überfließen.

2. Leidensdruck hinterfragen

Wenn ich merke, dass mir eine Situation zu nahe geht und ich zu sehr leide, versuche ich mir bewusst zu machen WARUM. Oft liegt es daran, dass ich ein Problem mit der Situation einfach auch meine (negativen) Erfahrungen habe und ich das dann auf mein hochsensibles Kind übertrage. Das heißt noch lange nicht, dass mein Kind darunter genauso leidet.

3. Den eigenen Weg gehen lassen

In Situationen, in denen ich besonders gefordert bin, versuche ich mir bewusst zu machen, dass mein Kind SEINEN Weg geht, auf dem ich es „nur“ begleiten kann. Ich kann ihm den Weg nicht abnehmen. Dieser Aspekt des Loslassens ist wohl einer der schwersten, aber für Eltern und Kinder sehr gesund.

4. Dein Kind als Spiegel

Diesen Punkt will ich mir oft am wenigsten anschauen, weil er doch recht schmerzlich sein kann. Ich versuche mir bei allen anstrengenden und unangenehmen Verhaltensweisen meines Kindes bewusst zu machen, dass sie ein Spiegel meiner eigenen bewussten oder unbewussten Gefühle sind. Mein Kind ist genauso stark mit mir verbunden wie ich mit ihm.

Wenn es mir gelingt, einen oder mehrere dieser Aspekte in anstrengenden Situationen zu beachten, merke ich immer sehr stark, wie sehr sich das Thema entspannt und auch etwas objektiviert.

Viel  Erfolg beim Üben :-)!

Solltest Du mehr Unterstützung wollen, freue ich mich über einen Anruf (0660/1234 376) oder ein Mail (info@hochsensibilitaet.at).

Danke auch für`s Teilen des Beitrags!

 

 

Hilfe Schulalltag! – 7 Tipps für ein entspanntes Miteinander

Hochsensible Schulkinder stehen beinahe täglich unter Dauerstrom. Hohe Reizbarkeit, Wutausbrüche, Aggression und emotionale Achterbahnfahrten sind oftmals die Folge des ungefilterten und dauerhaften Empfangens von Signalen im Schulalltag.

Viele Eltern hochsensibler Kinder wissen das und versuchen dieses Szenario auszugleichen, indem sie besonders bemüht sind, ihrem hochsensiblen Kind sportliche Aktivitäten, Musikangebote, Theaterbesuche oder dergleichen zu bieten.

Vor allem Sport kann ein sehr gutes Mittel sein, um die vermehrt ausgeschütteten Stresshormone eines hochsensiblen Körpers abzubauen. Das Lernen eines Musikinstruments ist eine sehr gute Möglichkeit, den ständig bewegten Geist zur Ruhe zu bringen und ein Theaterbesuch oder ein Besuch bei guten Freunden kann sehr bereichernd für die hochsensible Seele sein.

VORSICHT! Jede dieser Situationen birgt die Gefahr weiterer Überreizung.

Nach einem anstrengenden Schultag, der für viele Kinder bis in den späten Nachmittag dauert und tausenden Eindrücken, die bis dahin schon den hochsensiblen Körper und Geist erreicht haben, kann jede zusätzliche Aktivität statt gewünschtem Ausgleich das Gegenteil bewirken und das Verarbeiten des Alltags noch mehr erschweren.

Es erfordert sehr viel Feingefühl, hier die Grenze zu ziehen und seinem Kind sowohl essentielle Anreize als auch bewusste Ruhephasen zu ermöglichen. Es ist sehr wertvoll, möglichst früh damit zu beginnen, seinem hochsensiblen Kind diese notwendige Balance im Alltag nahezubringen.

Hier ein paar Möglichkeiten

  • Für die bestmögliche Entfaltung Ihres Kindes ist es wichtig, dass Sie sich mit dem Begriff der Überidentifizierung auseinandersetzen. Oftmals ist die Verbindung zwischen Ihnen und Ihrem hochsensiblen Kind so stark, dass die Gefahr besteht, dass genau diese Verbindung eine objektive Wahrnehmung verhindert und Sie Ihre eigene Geschichte mit der Ihres Kindes verwechseln. Das heißt, dass SIE wesentlich mehr Probleme mit bestimmten Situationen haben, als Ihr Kind. Gerade wenn Sie als Elternteil selbst hochsensibel sind und ihre Schulzeit in schlechter Erinnerung haben, neigen Sie wahrscheinlich zu Überidentifizierung. Die eigene Wahrnehmung, der eigene Widerstand und die eigene Hilflosigkeit einem System gegenüber, werden auf das Kind übertragen. Versuchen Sie, bewusst Ihr Kind und seinen Schulalltag loszulassen. Natürlich wollen wir alle unsere Kinder vor der bösen, großen Welt da draußen schützen, vor einem System, hinter dem wir selbst nicht stehen können, aber versuchen Sie zu akzeptieren, dass Ihr Kind seinen eigenen Weg geht, auf dem Sie es nur begleiten dürfen. Lassen Sie zu, dass Ihr Kind anders ist als Sie, auch wenn Sie sich noch so sehr in ihm sehen.
  • Geben Sie Ihrem Kind nach einem anstrengenden Schultag genug Zeit, um zu Hause anzukommen. Fragen wie:“ Wie war es heute in der Schule?“ und „Hast du deine Jause gegessen?“ können und wollen von einem überanstrengten Geist nicht beantwortet werden. Ein gutes Essen, ein warmer Tee und einfach die Möglichkeit in Stille und im eigenen Tempo anzukommen, wirken Wunder, damit der bewegte Geist im Körper zur Ruhe kommt.
  • Geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, den Rest des Tages selbst zu planen und zu strukturieren. Natürlich brauchen kleinere Kinder hier noch etwas mehr Anleitung, aber so lernen hochsensible Kinder schon früh in sich hineinzuspüren und wahrzunehmen, wie sich ihr Energiehaushalt anfühlt. Lassen Sie Ihr Kind immer wieder ansprechen, wie es sich fühlt. Das mag am Anfang ein bisschen schwierig sein, aber je öfter Kinder damit konfrontiert werden, in sich hineinzuspüren, desto öfter werden sie Worte dafür finden. Damit können Sie Ihrem Kind schon frühzeitig helfen, sich nicht selbst zu überfordern. Versuchen Sie, nicht allzu sehr in den Alltag Ihres Kindes einzugreifen, auch wenn Sie diesen möglicherweise als sehr stressig empfinden. Wenn sich Ihr Sohn beispielsweise in den Kopf setzt, 3mal pro Woche Fußball spielen zu gehen und sich zusätzlich für das Fußballmatch des Vereins am Wochenende anmelden möchte, lassen Sie es zu, ohne zu sehr darunter zu „leiden“, weil dieser Zeitplan IHNEN zu viel wäre (Überidentifizierung!). Nehmen Sie Impulse, die von Ihrem Kind ausgehen ernst, lassen Sie Ihr Kind ausprobieren, wie es ihm in unterschiedlichen Situationen geht und leiten Sie es an, nach und nach selbst ein Gefühl dafür zu bekommen, was gut tut. Je älter unsere (hochsensiblen) Kinder werden, desto mehr dürfen wir ihnen die Entscheidungen überlassen – auch wenn wir selbst es anders tun würden.
  •  Wenn Sie merken, dass Ihr hochsensibles Kind aufgrund der Anforderungen im Schulalltag bedrückt und gestresst ist, versuchen Sie es durch positive Kommunikation und Bestärkungen zu unterstützen. Achten Sie auch hier darauf, nicht zu sehr mitzuleiden. Versuchen Sie möglichst wenig auf negative Aussagen einzugehen. Das macht es für Ihr Kind noch schwerer, wenn es mitbekommt, wie sehr (auch) Sie darunter leiden. Mit Verständnis und klarer positiver Kommunikation leisten Sie einen entscheidenden Beitrag, Ihrem Kind den Alltag leichter zu machen.
  • Mischen Sie sich aktiv ein, sollte Ihr Kind aufgrund einer konkreten Situation zu sehr leiden und in seinem Wohlbefinden beeinträchtigt sein. Hier fordere ich Sie auf, selbstbewusst mit den Lehrpersonen Ihres Kindes zu sprechen. Was ich Ihnen rate, dabei zu beachten, finden Sie in meinem nächsten Blogbeitrag kommende Woche.
  • Versuchen Sie in ruhigen, entspannten Situationen Themen aufzugreifen, die Ihr Kind bei der Strukturierung und Stressreduktion seines Alltags helfen können. Das kann beim Abendessen sein oder auch einmal zwischendurch. Besonders gut gelingt der Zugang oft, wenn Sie Ihr dabei berühren, streicheln oder massieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sehr viel von diesen Gesprächen „hängen bleibt“ und den Alltag erleichtert.
  • Und zu guter Letzt: Haben Sie keine Angst, Grenzen zu setzen und Ihr Kind zu fordern. Gerade hochsensible Elternteile neigen aus dem Bedürfnis nach Harmonie und der Befürchtung, das zarte Gefühlsleben des eigenen Kindes zu verletzen heraus, dazu, Grenzen im Zusammenleben nicht ausreichend abzustecken. Es ist ein sehr hoher Anspruch, den wir uns als Eltern setzen, nämlich unser Kind bestmöglich zu fördern und zu unterstützen. Machen Sie sich bewusst, dass gute Förderung auch bedeutet, einen klaren Rahmen abzustecken, in dem sich das Kind bewegen kann. Erstens gibt ein klarer Rahmen Sicherheit – und das ist ein Grundbedürfnis – und außerdem vermitteln Sie Ihrem Kind dadurch, dass das Achten der eigenen Grenzen sowie jener anderer Menschen von großer Wichtigkeit ist. Auch Ihr Selbstbewusstsein wird dadurch bereichert, wenn Sie es schaffen, klare Aussagen zu treffen und diese konsequent zu verfolgen. Auch wenn Sie eindeutige hochsensible Eigenschaften bei Ihrem Kind wahrnehmen, trauen Sie sich, Forderungen zu stellen, die für Ihr Kind im ersten Moment möglicherweise sehr schwierig sind. Allerdings werden Sie nur dann richtig erfolgreich sein, wenn Ihr Kind versteht, warum es etwas tun soll. Bleiben Sie stets liebevoll, aber bestimmt. Durch Grenzen und zumutbare (An)Forderungen unterstützen Sie Ihr Kind sehr auf seinem Weg in die Selbständigkeit. Überfürsorge und Grenzenlosigkeit schwächen Sie und Ihr Kind auf lange Frist.

Ich wünsche Ihnen entspannte letzte Ferientage mit Ihrem Kind! <3

 

„Achtung Überidentifizierung!“ – Wenn Eltern zu sehr leiden. Möglichkeiten, den „Stress mit dem Stress“ zu reduzieren.

Mein Sohn leidet. Er mag nicht in die Schule gehen, ist sehr aufgeregt, weil er Schularbeit hat. Er ist zappelig und unruhig – schwups, schwappt das wie eine riesige Welle auf mich über. Ich fühle mich elend, er tut mir leid. Wie gern möchte ich ihn beschützen, ihm Ruhe und Kraft geben. Doch dazu bin ich selbst zu zappelig und nervös. Ich fühle mich hilflos.

Kennen Sie Situationen wie diese?

Wenn Sie als hochsensibler Elternteil mit einer Situation im Alltag konfrontiert werden, die Sie als EmpathIn aus ganzem Herzen nachfühlen können, wünschen Sie sich sicher oft, sofort etwas tun zu können, um das Leid zu lindern und die Situation erträglicher zu machen.

Bei meinen KlientInnen und auch manchmal noch bei mir selbst bemerke ich oft eine riesige Hilflosigkeit, dem eigenen Kind eine unangenehme Situation nicht abnehmen zu können oder es annähernd gut zu unterstützen. Vor allem weil wir wissen, wie empfindsam unser Kind ist, wie viel es fühlt und wie schwer es ihm fällt, alle Wahrnehmungen gut zu verarbeiten und Anforderungen (zB in Schule und Kindergarten) „auszuhalten“.

Ja, es ist ein „Aushalten“, weil hochsensible Kinder oft überfordert sind mit dem Tempo und den Herausforderungen des Alltags. Sie fragen meist schon in jungen Jahren nach dem „Warum?“. Uns als Eltern tut das Herz weh, weil wir oft selbst noch sehr mit diesem „Warum?“ hadern.

Ich habe viele Gespräche mit unterschiedlichen Menschen darüber geführt, wie schwer es ist, das eigene Kind loszulassen und sich liebevoll abzugrenzen. Jene Herangehensweisen, die mir im Alltag mit meinem hochsensiblen Sohn am meisten helfen, möchte ich hier teilen:

  • Wenn ich merke, dass mir eine Situation sehr zu Herzen geht, die Gefühle überschwappen und ich Stress erlebe, versuche ich bewusst, einen Schritt raus aus dem Geschehen zu machen. Das heißt, ich atme durch, gehe auch tatsächlich mehrere Schritte auf Abstand und denke: „Ok mein Sohn, das ist DEIN Weg, du gehst ihn! Ich kann dir deinen Stress/deine Unruhe nicht abnehmen. Ich kann dich nur auf deinem Weg begleiten.“ Durch dieses bewusste Abstand nehmen entspanne ich mich und merke auch immer, wie es meinem Sohn dann besser geht.
  • Wenn ich merke, dass ich  mich überidentifiziert, versuche ich mir bewusst zu machen WARUM. Oft liegt es daran, dass ICH mit Situationen ein Problem habe oder mich im Widerstand befinde. Das Schulsystem ist ein gutes Beispiel dafür. Nur weil ICH damit nicht zurecht komme, heißt das noch lange nicht, dass mein Sohn genauso darunter leidet.
  • Für wesentliche Entspannung in stressigen Situationen hat sich herausgestellt, dass es notwendig ist, mich immer wieder dazu anzuhalten, ruhig zu bleiben. Wenn mein Sohn merkt, wie sehr eine Situation mich stresst oder wie sehr ich mit einem Thema hadere, schwappt das natürlich auch sofort auf ihn über und das (Gefühls)Chaos ist perfekt. Wenn ich es schaffe, ruhig und stark zu bleiben und ein paar Schritte zurückzugehen anstatt meinen Sohn mein „Mitleid“ spüren zu lassen, gelingt eine beiderseitige Entspannung am besten. Das setzt natürlich voraus, dass ich es auch tatsächlich schaffe, auf Abstand zu gehen. Wenn ich meinem hochsensiblen Sohn etwas „vorspiele“, merkt er das natürlich sofort :-).
  • Ich tue etwas für MICH. Das heißt, wenn ich merke, dass mich so eine Situation emotional sehr belastet, versuche ich bewusst, mir etwas Gutes zu tun. Ich gehe dann zum Beispiel gerne laufen oder zumindest spazieren. Das hilft mir Abstand zu halten und wieder im Körper anzukommen 🙂

(Vielleicht interessiert Sie dazu auch folgendes Video verpackt in einen früheren Blogbeitrag: „Mitfühlen nicht Mitleiden – Der große Unterschied“)

Gastbeitrag von Pädagogin Sarina Falk: „Bilder In Mir“ – Wie es gelingen kann, Potential im Schulalltag zu fördern

Bilder in MIR –  Lebe dein inneres Potential!

(Ein ganzheitliches Schulkind – und Jugendkonzept nach hochsensitiven Grundlagen)

Gerade sehr sensible und sensitive Kinder sowie Erwachsene, finden sich in den herkömmlichen Strukturen im Kindergarten, in der Schule oder im Beruf oftmals nicht zurecht. Ich möchte die altbekannten Systeme nicht als schlecht bezeichnen dennoch passen sie einfach nicht für alle. Unsere Welt lebt davon, dass jeder anders ist doch die meisten Institutionen zwängen uns alle in die gleichen Schienen.

Da ich selbst immer große Schwierigkeiten hatte mich anzupassen entwickelte ich nach eigenen inneren und intensiven Veränderungsprozessen ein ganzheitliches, ergänzendes Schulkind- und Jugendkonzept: Bilder in MIR – eine kreative Potentialwerkstatt.

Worum geht es?

Bilder in MIR geht davon aus, dass Talente, Fähigkeiten und Gaben in jedem von Natur aus angelegt sind. Der Blick richtet sich also nach innen, auf die Gefühle, die inneren Werte und  Welten, sowie die inneren Bilder. Das kreative natürliche Potential, dass in jedem steckt darf voll und ganz ausgelebt werden. Der hochsensitive Arbeitsansatz unterstützt das intuitive Erschaffen und Kreieren. Themen, Träume, Visionen, Wünsche und Sehnsüchte werden ernst genommen und bekommen Platz zum kreativen Ausdruck. Die Gruppe ergänzt sich durch die individuellen Stärken und entwickelt sich so weiter. Unterschiedlichste Projekte können entstehen und wachsen.

Helle, warme und klare Kreativräume die ästhetisch, sortiert und liebevoll eingerichtet sind, unterstützen die Gruppendynamik, sorgen für eine ruhige Atmosphäre und helfen sensitiven und sensiblen Kindern sich gehalten und sicher zu fühlen. Der Pädagoge sollte mit dem Raum in einer Beziehung stehen und sich mit der Gestaltung bewusst auseinander setzen.

Der sensitive Pädagoge

Bei Bilder in MIR geht es auch darum, einen Raum für sensible Pädagogen zu schaffen an dem sie ihr volles Potential entfalten, die Kinder liebevoll begleiten und weiche Strukturen vorgeben dürfen. Auch für Lehrer und Erzieher ist es von großer Bedeutung die eigenen Grenzen wahrzunehmen, anzuerkennen und einzuhalten sowie achtsam mit sich selbst umzugehen umso weiche und authentische Strukturen vorzugeben. Wichtig ist, dass man sich mit dem was man weitergibt rundum wohl sowie authentisch fühlt. Die Inhalte sollten frei fließen und mit Herz und Seele im Einklang stehen.

Ist eine Integration von sensitiven Pädagogen und Kindern im Schulsystem möglich?

Ich glaube, dass es durchaus möglich und wichtig ist einen Raum für sensitive oder sensible Menschen auch in den herkömmlichen Institutionen zu schaffen. Da immer mehr Pädagogen Wert auf liebevollere Strukturen legen und auch schon kleine Kinder von dem hohen Leistungsanspruch überfordert und erschöpft sind. Förderlich ist, dass sich immer mehr Menschen zu Wort melden, sich alternative Plattformen oder Konzepte auftun und über dieses Thema offen aufgeklärt wird. So ist es eigentlich egal ob man nun sagt ich bin hochsensibel oder hochsensitiv, es reicht wenn man zu sich und zu dem was man weitergeben möchte steht um so, an immer mehr Stellen eine Veränderung zu bewirken.

Hochsensitive Menschen arbeiten nach anderen, weder schlechteren noch besseren Prinzipien und können durchaus ein offenes System ergänzen und bereichern. Die Vermittlung von inneren Werten wie Achtsamkeit, Toleranz und Mitgefühl, das Anregen sein inneres ernst zu nehmen und sich selbst zu vertrauen, sowie das Erschaffen von Räumen zum eigenständigen Denken, Kreieren und Gestalten stellt eine ergänzende, wichtige Basis dar und trägt ebenso dazu bei, dass unsere Kinder zu ganzheitlichen, individuellen und stabilen Persönlichkeiten heranwachsen und reifen sowie ein gesundes Selbstbild entwickeln.

Für das nächste Jahr plant Bilder in MIR eine online Potentialwerkstatt in der Pädagogen und alle anderen Interessierten lernen, einen Zugang zu ihren inneren Bildern, Talenten und Gefühlen zu bekommen. Ein bewusstes Annehmen seines Innenlebens setzt enorme Kräfte frei und führt zurück in die Eigenverantwortung. Das natürliche Potential kann selbstbewusst nach außen gebracht und liebevoll in der Arbeit integriert werden.

Über mich:

Bilder in MIR b

Nachdem ich jahrelang den inneren Kontakt zu mir verloren hatte zog im Jahr 2013 mit meiner sehr feinfühligen Hündin ein unglaublicher innerer Wandlungsprozess ein, der alles auf den Kopf stellte und mich auf meine eigene Hochsensitivität zurück warf.

Über zwei Jahren arbeitete ich ganz intensiv an und mit meinen inneren Bildern: Was will ich wirklich, was brauche ich, was tut mir gut, wie will ich leben, wie möchte ich arbeiten…Ich entwickelte immer mehr ein neues Bewusstsein und kreierte intuitiv neue und weiche Grundlagen, Ideen und Bilder für alle Bereiche in meinen Leben.

Bilder in Mir soll auch andere animieren wieder mehr aus dem Herzen und mutig aus der inneren Kraft das eigene Leben lebendig, authentisch und freudvoll zu gestalten, sowie daran erinnern, dass Lehren und Lernen leicht sein darf und Menschlichkeit sowie Achtsamkeit – auch gegenüber den Tieren und der Natur – an erster Stelle stehen sollte.

Mehr Informationen findest du auf meiner Homepage: www.paulas-lesekoerbchen.de und auf meiner Facebookseite: facebook.com/BilderInMir.

Die ganze Konzeption findest du hier: http://www.paulas-lesekoerbchen.de/bilder-in-mir/

Kontaktiere mich auch gerne unter: mail@paulas-lesekoerbchen.de

„Wie fühlst du dich?“ – Warum es Sinn macht, gerade mit hochsensiblen Kindern darüber zu reden

„Gewissheit ist die Grundlage nach der die menschlichen Gefühle verlangen“
(Honore de Balzac)

Dieses Zitat verdeutlicht sehr gut, wie wir unsere hochsensiblen Kinder unterstützen können, gefestigte Persönlichkeiten zu werden, die ihr Potential leben können.

Für viele Familien ist es immer noch eine große Herausforderung offen über auftretende Gefühle zu sprechen. Das liegt unter anderem sicher daran, dass viele Eltern selbst als Kinder nicht gelernt haben, ihre eigenen Gefühle bewusst wahrzunehmen und zu akzeptieren. Sehr lange Zeit wurden Gefühle, vor allem die negativen, als Hindernis dafür angesehen, im Alltag zu funktionieren. „Stell dich nicht so an“ „Heulsuse“ oder „Augen zu und durch“ sind nur einige wenige Aussagen, die viele von uns in ihrer Kindheit gehört haben. Weinerlich und ängstlich oder/und wütend und aggressiv aber auch freudig hüpfend und/oder glücklich strahlend – Gefühle anzusprechen, zu leben und zu akzeptieren passte meistens nicht ins anerzogene Weltbild unserer Eltern. Deshalb ist es für viele von uns immer noch sehr schwer, diese Hürde bei den eigenen Kindern zu überwinden.

Viele Psychotherapeuten aber auch spirituelle Sichtweisen gehen davon aus, dass es essentiell ist, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und anzunehmen, um sie dann einordnen und bewusst damit umgehen zu können. Es gibt die unterschiedlichsten Ansätze darüber, warum welche Gefühle in uns arbeiten – ob man sich nun in der systemischen Familientherapie oder auf anderen Wegen damit auseinandersetzen möchte – für unseren Alltag und den Alltag unserer Kinder ist es absolut wesentlich, zu dieser bewussten Offenheit und Akzeptanz unseres Gefühlslebens zu gelangen. Das Bewusstsein unserer eigenen Gefühle und die Offenheit darüber zu reden, bringt uns einen Riesenschritt weiter, unsere Kinder darin zu unterstützen, die in ihnen arbeitenden Gefühle wahrzunehmen, anzusprechen und zu akzeptieren.

Hochsensible Kinder spüren und fühlen den ganzen Tag. So viele Wahrnehmungen, die unterschiedlichste Gefühle auslösen, so viele Eindrücke, die gefühlt und verarbeitet werden müssen, wirken kontinuierlich auf die Persönlichkeit ein und haben einen wesentlichen Einfluss auf das Verhalten in den jeweiligen Situationen – ein regelrechter „Gefühlssupergau“.

Oftmals tritt dann der rationale Verstand, der bei vielen hochsensiblen Menschen stark ausgeprägt ist, in den Vordergrund. Sich keine Blöße zu geben, nicht emotional zu reagieren und zu vermitteln, dass man die Situation „im Griff“ hat, sind häufige Tendenzen.

Auf Dauer kann das jedoch zu sehr ungesunden Symptomen führen. Vor allem dann, wenn man niemanden hat, mit dem man seine tatsächlichen Befindlichkeiten teilen kann.

Wie können Sie als Eltern unterstützen?

Wenn Eltern es geschafft haben, ihre eigene Gefühlswelt zu reflektieren und die meiste Zeit damit im Reinen zu sein, dann ist wohl die beste Unterstützung für ihre hochsensiblen Kinder:

Reden! Reden! Reden! So kurz, so gut.

So wie Berührung des Körpers heilsam ist, so ist es auch möglich, die Seele des Kindes zu erreichen, indem Gefühle erkannt, angesprochen und ernst genommen werden. Das gibt Sicherheit und die Gewissheit „richtig“ zu sein.

Konkret heißt das:

  • Nehmen Sie sich die Zeit und die Ruhe, ihr eigenes Gefühlsleben genauer unter die Lupe zu nehmen. Ist Ihnen bewusst, was sie fühlen? Können Sie darüber reden? Vielleicht erkennen Sie das eine oder andere Muster aus Ihrer Kindheit oder dem eigenen Familiensystem. Sobald wir uns die Mechanismen, die in uns arbeiten bewusst machen, können wir einen entscheidenden Beitrag für Veränderung leisten – bei uns und bei unseren Kindern.

  • Nehmen Sie sich die Zeit gemeinsam mit Ihrem Kind Situationen des Tages zu besprechen bzw. revue passieren zu lassen. Viele Kinder können (noch) nicht von sich aus darüber sprechen, was sie bewegt. Die Art und Weise, wie sie das tun, ist natürlich auch altersabhängig. Ein Ritual, beispielsweise vor dem Schlafengehen, wo der zuvor angesprochene Körperkontakt die Kommunikation über die Gefühlswelt verbindet, ist sehr wertvoll. Ihr Kind spürt Sicherheit und Interesse und Akzeptanz für seine Lebenswelt.

  • Erzählen Sie Ihrem Kind, wie Sie sich fühlen. Lassen Sie es im Lauf des Tages wissen, was und warum in Ihnen vorgeht, natürlich kindgemäß und ohne allzu große Schwere. Es ist in Ordnung, wenn Kinder mitbekommen, dass auch die Mama manchmal traurig, ängstlich oder angespannt ist. Hochsensible Kinder spüren über ihre Antennen jede Stimmung. Auch hier wieder gibt es enorme Sicherheit, das, was von Ihrem Kind ohnehin wahrgenommen wird, zu verbalisieren. Ihr Kind lernt, seine eigenen Wahrnehmung ernst zu nehmen und mit normalen Alltagsstituationen ohne Angst umgehen zu können. Wird über negative Gefühle nicht gesprochen, wird versucht, sie zu verbergen bzw. zu überspielen, können große Ängste, Traurigkeit und Schwere bei den Kindern hervorgerufen werden. Ich kann mich sehr gut daran erinnern, wie sehr es mich als Kind oftmals belastet hat, meine Mama angestrengt und belastet zu erleben. Das hat mich sehr verunsichert.

    Ebenso wichtig ist es, ihrer Freude Ausdruck zu verleihen und alle positiven Gefühle anzusprechen. Es ist ein großes Geschenk für Ihre Kinder, wenn sie – auch verbal – vermittelt bekommen, dass Sie dem Leben sehr viele schöne und fröhliche Aspekte zugestehen. Das gibt Halt und stärkt das Vertrauen ins Leben.

  • Empathische hochsensible Kinder können sich in Lebenswelten unterschiedlichster bekannter und unbekannter Personen einfühlen. Sie nehmen Mechanismen und Hintergründe wahr, die anderen oft verborgen bleiben. Machen Sie sich bewusst, dass im Laufe eines (Schul)tages sehr viele dieser Informationen von Ihrem Kind aufgesaugt werden. Die Verarbeitung solcher Wahrnehmungen kann sich durch unterschiedlichste Gefühle äußern. Traurigkeit, Aggression, Müdigkeit und/oder Unruhe treten auf ohne konkreten Anlass. Es erfordert von Ihnen als Eltern viel Feingefühl wahrzunehmen woher die Stimmung kommt. Wenn Sie solche scheinbar „aus dem Nichts“ und ohne erkennbaren Grund auftretenden Gefühle bemerken, reden Sie mit Ihrem Kind über die Erlebnisse des Tages. In vielen Fällen können Sie heraushören, was Ihr Kind beschäftigt und darauf reagieren. Dem Gefühlsleben Ihres Kindes hilft es oft, einfach nur „verstanden“ zu werden. Hier können Ihre Worte einen wertvollen Beitrag leisten.

    Mein 12 jähriger Sohn meinte – für mich sehr überraschend –  gestern: „Es ist so cool, dass du mich verstehst, Mama!“. Schön, wenn wir neben zahlreichen Emoticons am Computer und im Handy auch noch Worte kennen 🙂

 

 

Wenn die Seele über den Körper spricht – Neurodermitis bei hochsensiblen Kindern

Hochsensibilität ist Ausdruck einer zarten Seele. Einer Seele, der sehr schnell alles zu viel wird. ALLES zu VIEL.

Sensible Seelen leben in sensiblen Körpern, denen es oftmals sehr schwer fällt, sich ausreichend vor dem hektischen Alltag und dem vorherrschenden Zeit- und Anpassungsdruck zu schützen.

Da der hochsensible Körper all die auftretenden Umweltreize nicht ausreichend verarbeiten kann, reagiert er mit Abwehr.

Die Haut als Spiegel der Seele ist wund, rissig und offen für Krankheitserreger.

Das bringt im Alltag sehr viel Leid mit sich, da es in jeder Hinsicht sehr schwer ist, der grenzüberschreitenden Zeit, in der wir leben, die Stirn zu bieten.

Die Leistungsorientiertheit, Schnelligkeit, das getriebene DaSein und die vorherrschenden Normen darüber, was „gesund“ und was „krank“ ist, wie etwas und jemand zu sein hat und sich anzupassen hat, erschweren es ungemein, das eigene Tempo zu leben, gut auf sich aufzupassen und Grenzen zu setzen.

Und genau darum geht es bei unserem größten Organ, der Haut. Sie dient dazu, unseren Körper und den darin wohnenden Geist, unser Wesen, unsere Seele von der Umwelt gesund abzugrenzen.

Verwundete Haut bedeutet Grenzüberschreitung!

Aus eigener leidvoller Erfahrung und Mutter eines hochsensiblen Sohnes mit Neurodermitis habe ich des Öfteren Ratschschläge gehört wie:

„Sei doch nicht so zimperlich!“

oder

„Dann nimm halt Cortison!“

oder

„Hör doch einfach auf zu kratzen!“

Außerdem haben mein Sohn und ich alle nur erdenklichen Mittelchen, Cremen und Tinkturen empfohlen bekommen – langfristig mit immer dem gleichen Effekt: gar keinem!

Medizinische Forschung über das Auftreten von Neurodermitis steckte in meiner Kindheit in den Kinderschuhen.

Aber auch heute wird bei der schulmedizinischen Betrachtung atopischer Dermatitis (der aktuellere, aber nicht so geläufige Begriff) in keinster Art und Weise mit einbezogen, dass es sehr viele äußere Faktoren sind, die das Auftreten bedingen:

  • Der unglaubliche Druck, der in unserer Gesellschaft vorherrscht.
  • Die Erwartung, mit einem als normal angesehenen stressigen (Schul)Alltag umgehen zu können.
  • Die Schnelligkeit, in der sich Alltagssituationen nacheinander abspielen. Man hetzt von der Schule zum Musikunterricht und dann noch zum nächsten und übernächsten Termin ohne zwischenzeitlich inne zu halten.

Der hochsensible Geist, der das alles nicht gut verarbeiten kann, kommt dadurch nicht zur Ruhe. Diese Unruhe kann sich in Neurodermitisschüben, begleitet von unglaublichem Juckreiz, nässenden Ekzemen, Hautinfektionen, Unverträglichkeiten und Allergien zeigen.

Und da physiologisch gesehen Haut, Darm und Lunge eine Einheit bilden, kommen zu dem ganzen Szenario auch oft noch Verdauungsstörungen wie Durchfall, Verstopfung und Blähungen sowie Atemwegserkrankungen, vor allem Asthma, dazu.

Oftmals sind auch jene Kinder, denen Konzentrationsschwäche, Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität zugesprochen wird, von Neurodermitis betroffen. Manchmal aber auch die ganz stillen, die, die alles über ihre zarte Haut aufnehmen und nichts verarbeiten können.

Was also tun? Wie können Sie Ihr Kind, das immer mal wieder oder chronisch an Neurodermitis leidet, bestmöglich unterstützen?

Wenn man Neurodermitis alternativmedizinisch, also ganzheitlich betrachtet, wirken hier demnach

  • die eigene (hochsensible) Veranlagung
  • Umweltfaktoren
  • und letztendlich der eigene Lebensstil zusammen.

Und genau da kann man ansetzen: Das Bewusstsein für dieses Zusammenspiel erleichtert es, damit umzugehen.

Bewusstes Leben heißt, bewusst und achtsam mit sich und seinem Körper umzugehen, wahrzunehmen, was ihm gut tut, wo die eigene Grenze liegt und wo Grenzen zu setzen sind.

Die Bewusstheit fängt bei uns Eltern an und darf unseren Kindern weiter vermittelt werden.

  • Achten Sie auf bewusste, typentsprechende und auf das Hautbild abgestimmte Ernährung. Hier hat Katharina Ziegelbauer in ihren Neurodermitis-Blogartikeln die besten Tipps und Hinweise für Sie und Ihr Kind.
  • Bemühen Sie sich um eine möglichst stressreduzierte und geordnete Umgebung für Ihr Kind. Laut TCM ist die Haut dem Metall Element zugeordnet. Metall steht für Struktur und Klarheit. Ist die Haut wund, kann mit äußerer Struktur das Wohlgefühl verbessert werden, Ihr Kind kann besser zur Ruhe kommen.
  • Achten Sie auf ausreichend Frischluft im Schlaf-/Kinderzimmer. Bei Neurodermitis ist die Lunge genauso wie die Haut von einer Imbalance betroffen. Viel frische Luft und immer mal wieder bewusst auf die Atmung achten, können das Wohlbefinden unterstützen. Leiten Sie Ihr Kind an, die Hände auf den Bauch zu legen und dann mit voller Aufmerksamkeit (ev. mit geschlossenen Augen) in die Hände zu atmen, frische Energie in den Bauchraum zu schicken, von wo sie sich im ganzen Körper verteilt.
  • Reduzieren Sie Stress im Alltag so gut es geht. Wohl eine der größten Herausforderungen, vor allem bei schulpflichtigen Kindern. Versuchen Sie den Zeitplan mit Ihrem Kind zu besprechen und fragen Sie Ihr Kind oft nach seinen Gefühlen und Bedürfnissen. Durch die wunde rissige Haut leidet auch immer der Selbstwert. Deshalb ist es so essentiell, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse in geschützter Umgebung wahrnehmen und ausdrücken zu lernen.
  • Berühren und Streicheln Sie Ihr Kind oft. Berührung nährt Haut und Seele und gerade hochsensible Kinder mit Neurodermitis sprechen sehr gut auf Hautkontakt an. So lernen sie liebevoll ihre „Grenze“ zu spüren. Oftmals helfen auch regelmäßige, sanfte Körperbehandlungen wie beispielsweise Shiatsu, damit die Kinder lernen in ihrem Körper zur Ruhe zu kommen.
  • Versuchen Sie Druck jeglicher Form zu vermeiden. Druck überschreitet die zarte Hautbarriere. Eng sitzende Hosen, Strumpfhosen, Gürtel aber auch Etiketten in Kleidungsstücken werden oft zur Qual.
  • Zu guter Letzt: Machen Sie sich bewusst, dass Ihr Kind durch seine dünne Haut sehr vieles aus seiner Umwelt wahrnimmt, was anderen oft verborgen bleibt – das ist ein großes Geschenk und kann mit Unterstützung den Alltag sehr bereichern.

 

„Berühr mich!“ – Wie Körperkontakt das Leben Ihres hochsensiblen Kindes bereichert

„Die Seele kann man nicht anfassen, aber berühren“
(Robert Gampe)

Meine Erfahrung in der Körperarbeit zeigt mir immer wieder den Zusammenhang zwischen Körper und Psyche untrüglich auf. Es ist schön wahrzunehmen, wie positiv hochsensible Kinder auf Berührung reagieren, wie schnell sie darauf ansprechen und wie problemlos Barrieren, die in der Kommunikation vielleicht entstehen, über den Körperkontakt verschwinden. Der eigene Körper wird wahrgenommen, gespürt und kommt zur Ruhe.

Körperkontakt mag simpel klingen, jedoch herrscht heutzutage ein großer Mangel an Berührung vor.

Hochsensible Menschen sind durch ihre Reizoffenheit äußerst „berührbar“. Berührungen werden besonders intensiv wahrgenommen und tragen unmittelbar zu Entspannung und Wohlbefinden bei. Liebevolle Zuwendung vermittelt Sicherheit und Geborgenheit. Ja, natürlich weiß man das – aber ganz ehrlich: Wie oft berühren Sie Ihr Kind oder auch Ihren Partner/Ihre Partnerin? Wie oft werden Sie berührt? Lassen Sie sich berühren?

In unserem Alltag werden technische Geräte wie Computer und smartphones sicher um einiges öfter berührt als Menschen. Auch das berühren Lassen passiert wesentlich mehr über künstlich erzeugte Emotionen, zum Beispiel durch Filme oder Computerspiele, als über den Kontakt mit realen Personen.

Sogar Wissenschafter sprechen heute bereits von chronischer Berührungsarmut. Berührungen sind ein Grundbedürfnis jedes Menschen. Bei Umarmungen schüttet der Körper das Hormon Oxytocin aus, das gegen Stress wirkt. Der Blutdruck sinkt, das Stresshormon Cortisol wird vermindert, Ängste und Schmerzen verblassen.

Die Haut steht in engem Kontakt mit dem Immunsytem, den Nerven und der Psyche. Die Haut spiegelt unsere Seele und über die Haut können wir diese berühren. Vor allem bei hochsensiblen Kindern, die unter Neurodermitis leiden, lindern regelmäßige Berührungen die Anspannung und den Juckreiz enorm.

Die Arbeit mit unterschiedlichsten Kindern hat mir immer wieder gezeigt, dass Berührung und Augenkontakt der Schlüssel dafür sind, dass das, was man sagen möchte, auch ankommt. Die Kommunikationstheorie nennt das die „Beziehungebene“, die unbedingt hergestellt sein muss, damit die „Inhaltsebene“, also die Botschaft, auch vermittelt werden kann. Sobald jemand berührt wird, ist er im Hier und Jetzt.
Es mag manchmal eine Zeit brauchen, bis die Berührung „greift“, vor allem wenn der Geist sehr abgelenkt und sehr bewegt ist, aber wenn der Moment erreicht ist, dann ist es möglich, echten Kontakt herzustellen.
Bei hochsensiblen Kindern ist die Notwendigkeit groß, sie zu „erden“, ins Hier und Jetzt zu holen und den bewegten Geist zu entspannen – Berührung wirkt dabei wahre Wunder.

Bei meinem pubertierenden hochsensiblen Sohn gerate ich momentan oftmals an meine Grenzen. Wenn es mir gelingt, in Konfliktsituationen anstatt in Konfrontation „in Umarmung“ zu gehen, merken wir sofort, wie sich die Situation entspannt.

Natürlich hat man es mit Berührungen nicht immer leicht, vor allem im Schulalltag. Allzu oft wird man heutzutage schief angeschaut, wenn man zum Beispiel als männlicher Lehrer eine weibliche Schülerin berührt. Leider ist unsere Gesellschaft hier in eine enorme Schieflage geraten. Wenn man in der U-Bahn sitzend jemanden mit Augenkontakt berührt und anlächelt, trägt bereits diese Geste oftmals zu Missverständnis und Unsicherheit bei: „Was will er/sie von mir?“ „Hab ich was falsch gemacht?“ … Wir sind große Einzelkämpfer geworden und es nicht mehr gewöhnt, einfach nur in Kontakt zu treten, ohne Absicht dahinter.

Der spirituelle Aspekt „Alles ist miteinander verbunden“ bedeutet, dass wir keine getrennten Individuen sind, die ständig auf ihren Vorteil schauen und sich behaupten müssen. Wir können so viel mehr in tatsächlichem Kontakt miteinander erreichen. Reizoffene Menschen, die gelernt haben, sicher in ihrer Mitte zu stehen, leben ständig in Berührung mit der sie umgebenden Umwelt. Und das ist eine große Bereicherung.

Wie können Sie als Eltern unterstützen?

Machen Sie sich bewusst: Berührung ist heilsam! Wenn Sie Ihr Kind berühren, treten Sie mit ihm in Kontakt. Es fühlt sich wahrgenommen und wertgeschätzt. Es mag das natürlichste der Welt sein und trotzdem ist es für viele Eltern sehr schwer, sich auf tatsächliche Berührung mit ihrem Kind einzulassen. Vielleicht weil man selbst nie die Macht der Berührung wahrnehmen durfte oder sich aus unterschiedlichsten Mustern heraus damit schwer tut. Wenn Sie Ihr Kind berühren, berühren Sie sich selbst.

Manche sehr unruhige Kinder brauchen oftmals ein bisschen Zeit, sich auf Berührung einlassen zu können. Auch hier ist es ganz wichtig, das eigene Tempo des Kindes zu respektieren, damit Berührung positiv, heilsam und beruhigend erlebt werden kann. Gerade bei unruhigen Kindern ist es sehr wichtig, zunächst einmal Raum zu schaffen, in dem ein zur Ruhe kommen und Entspannen möglich ist.

Konkret heißt das:

  • Nehmen Sie sich ab und zu gemeinsame Auszeiten, legen Sie sich mit Ihrem Kind auf die Couch oder ins Bett oder gehen Sie einfach mal Hand in Hand spazieren.
  • Machen Sie Berührung zu einem Ritual, zum Beispiel vor dem Schlafengehen. Ihr Kind kommt zur Ruhe und fühlt sich sicher.
  • Haben Sie auch in Alltagssituationen keine Angst vor Berührung. Legen Sie Ihrem Kind öfters mal die Hand auf den oberen Rücken. Das bedeutet, dass Sie es unterstützen, da sind und ihm „den Rücken stärken“.
  • Wenn Sie möchten, dass das, was Sie sagen, auch wirklich ankommt, achten Sie auf Augenkontakt, am besten gemeinsam mit einer Berührung der Schulter oder des Armes. Sie tragen damit wesentlich dazu bei, dass Anspannung abfällt und Ihre Worte integriert werden.
  • Nehmen Sie sich ab und zu die Zeit, ihr hochsensibles Kind zu massieren. Fragen Sie es, wo mögliche Verspannungen sitzen. Sie tragen so entscheidend dazu bei, dass Ihr Kind lernt, in seinen Körper hineinzuspüren und Signale zu deuten. Vielen Kindern macht es auch großen Spaß, die Eltern zu massieren. Sie werden überrascht sein, wie gut Ihr Kind hinspüren kann und dabei lernt, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.

 

Was mir hilft, meinen hochsensiblen Sohn im Schulalltag besser unterstützen zu können

Elterngespräch. Ich sitze einer Lehrerin meines Sohnes gegenüber. Noch bevor sie etwas sagt, fühle ich mich unverstanden. Außerdem fühle ich das Unverständnis meinem Sohn gegenüber. Ja, er ist anders. Ja, er findet sich mit diesem System nicht gut zurecht – nicht so wie sie, die Lehrerin, es sich wünscht. Ich fühle Wut, Zorn und großen Widerstand.

Genauso ging es mir sehr oft. Dieser unendliche Widerstand gegen ein nicht förderliches System. Gegen Unverständnis, gleich-machen und gleich-haben wollen habe ich permanent angekämpft.

Meinem Sohn und mir hat dieser Widerstand nur eines gebracht: Schwierigkeiten mit dem Alltag, so wie er ist, umzugehen. Ich habe so viel mit der Situation gehadert, dass es unumgänglich war – vor allem um meinen Sohn wirklich unterstützen zu können – Wege und Möglichkeiten zu finden, damit umzugehen.

Als ehemalige Lehrerin kenne ich Grenzen und Möglichkeiten auf schulischer Seite und als Mama ist es mir ein unendliches Bedürfnis, meinem Sohn einen stressfreien, verständnisvollen und gut erträglichen Schulalltag zu ermöglichen.

Ich bin immer noch permanent am Üben und Ausprobieren, aber folgende Herangehensweisen haben mir sehr geholfen, mir und meinem Sohn den Alltag zu erleichtern:

  • Ich lerne loszulassen. Meinen Sohn und seinen Schulalltag. Lange hatte ich das große Bedürfnis, ihn zu schützen vor der bösen, großen Welt da draußen, vor einem System, hinter dem ICH nicht stehen kann. Ich habe verstanden, dass er SEINEN Weg geht, auf dem ich ihn nur begleiten darf.
  • Ich lasse meinen Sohn (natürlich nur manchmal) auf gut Wienerisch „anrennen“. Das heißt, auch wenn ich weiß, dass er zum Beispiel seine Schulsachen noch kreuz und quer herumliegen hat und das am nächsten Tag in der Früh zu großem Stress beiträgt, diese noch ordentlich einzupacken, erinnere ich ihn nicht mehrmals daran. Wenn die Stresssituation dann vorbei ist, gelingt es mir immer öfter, ihn ruhig zur Seite zu nehmen und Verständnis dafür zu bekommen, wie wichtig es für ihn ist, sich vorher darum zu kümmern, um Stress zu vermeiden.
  • Ich bemühe mich sehr, keine negativen Kommentare zum Schulalltag oder zum Schulsystem überhaupt abzugeben. Das fällt mir oft sehr schwer, weil ich sehr viel Problematisches dabei wahrnehme. Aber ich habe stark gemerkt, wie sehr mein Sohn sich von meiner Negativität anstecken und leiten lässt. Und das hilft ihm in seinem Alltag in keinster Art und Weise weiter.
  • Ich lasse zu, dass er anders ist. Anders als ich. Auch wenn ich mich noch so sehr in ihm sehe, ist es mir bewusst, dass ich manchmal zu Überidentifikation neige.
  • Ich versuche, nicht allzu sehr in den Alltag meines Sohnes einzugreifen, auch wenn ich diesen als sehr stressig empfinde. Wenn mein Sohn sich beispielsweise in den Kopf setzt, 3mal pro Woche Fußball spielen zu gehen und sich zusätzlich für das Fußballmatch des Vereins am Wochenende anmelden möchte, lasse ich es zu, ohne zu sehr darunter zu „leiden“, weil dieser Zeitplan MIR zu viel wäre (Überidentifikation:-). Ich merke, dass mein Sohn selbst nach und nach ein Gefühl dafür bekommt, was gut für ihn ist. Je älter unsere (hochsensiblen) Kinder werden, desto mehr dürfen wir ihnen die Entscheidungen überlassen – auch wenn wir es anders tun würden.
  • Ich versuche in ruhigen, entspannten Situationen Themen aufzugreifen, die meinem Sohn bei der Strukturierung und Stressreduktion seines Alltags helfen können. Das kann beim Abendessen sein oder auch einmal zwischendurch. Besonders gut gelingt mir der Zugang, wenn ich meinen Sohn dabei berühre, streichle oder massiere. Ich mache die Erfahrung, dass sehr viel von diesen Gesprächen „hängen bleibt“ und den Alltag erleichtert.
  • Und zu guter Letzt ein Thema, über das viel diskutiert wird: Wann und wie spreche ich die Hochsensibilität meines Kindes bei LehrerInnen an und macht das überhaupt Sinn? Die wichtigste Frage, die ich mir dabei stelle ist: Was will ich erreichen? Meine Antwort war oft: Ich möchte Verständnis. Verständnis und Berücksichtigung der Bedürfnisse meines Sohnes. Ein schwieriges Unterfangen, wo doch das Wissen über hochsensible Eigenschaften im Schulsystem noch am Anfang steht. LehrerInnen, die „verstehen“, tun dies auch ohne Erklärung, einfach weil sie Bedürfnisse erkennen und bestmöglich reagieren. Und bei jenen LehrerInnen, die nicht verstehen können, worum es bei Hochsensibilität geht, ist es sicher wertvoll, Hinweise auf homepages und Bücher zu geben – ohne den Anspruch, Verständnis zu bekommen. Verständnis für etwas, das man nicht kennt, nicht spürt und sich vorstellen kann, ist sehr schwierig. Ab nächstem Jahr darf ich in der LehrerInnenfortbildung in Wien einen Beitrag dazu leisten 🙂

Ich habe gelernt, ruhig zu bleiben, durchzuatmen, da wo es geht sanft einzugreifen und darauf zu vertrauen, dass mein Sohn SEINEN Weg geht – und manchmal gelingt es mir schon ganz gut…