“Wie fühlst du dich?” – Warum es Sinn macht, gerade mit hochsensiblen Kindern darüber zu reden

„Gewissheit ist die Grundlage nach der die menschlichen Gefühle verlangen“
(Honore de Balzac)

Dieses Zitat verdeutlicht sehr gut, wie wir unsere hochsensiblen Kinder unterstützen können, gefestigte Persönlichkeiten zu werden, die ihr Potential leben können.

Für viele Familien ist es immer noch eine große Herausforderung offen über auftretende Gefühle zu sprechen. Das liegt unter anderem sicher daran, dass viele Eltern selbst als Kinder nicht gelernt haben, ihre eigenen Gefühle bewusst wahrzunehmen und zu akzeptieren. Sehr lange Zeit wurden Gefühle, vor allem die negativen, als Hindernis dafür angesehen, im Alltag zu funktionieren. „Stell dich nicht so an“ „Heulsuse“ oder „Augen zu und durch“ sind nur einige wenige Aussagen, die viele von uns in ihrer Kindheit gehört haben. Weinerlich und ängstlich oder/und wütend und aggressiv aber auch freudig hüpfend und/oder glücklich strahlend – Gefühle anzusprechen, zu leben und zu akzeptieren passte meistens nicht ins anerzogene Weltbild unserer Eltern. Deshalb ist es für viele von uns immer noch sehr schwer, diese Hürde bei den eigenen Kindern zu überwinden.

Viele Psychotherapeuten aber auch spirituelle Sichtweisen gehen davon aus, dass es essentiell ist, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und anzunehmen, um sie dann einordnen und bewusst damit umgehen zu können. Es gibt die unterschiedlichsten Ansätze darüber, warum welche Gefühle in uns arbeiten – ob man sich nun in der systemischen Familientherapie oder auf anderen Wegen damit auseinandersetzen möchte – für unseren Alltag und den Alltag unserer Kinder ist es absolut wesentlich, zu dieser bewussten Offenheit und Akzeptanz unseres Gefühlslebens zu gelangen. Das Bewusstsein unserer eigenen Gefühle und die Offenheit darüber zu reden, bringt uns einen Riesenschritt weiter, unsere Kinder darin zu unterstützen, die in ihnen arbeitenden Gefühle wahrzunehmen, anzusprechen und zu akzeptieren.

Hochsensible Kinder spüren und fühlen den ganzen Tag. So viele Wahrnehmungen, die unterschiedlichste Gefühle auslösen, so viele Eindrücke, die gefühlt und verarbeitet werden müssen, wirken kontinuierlich auf die Persönlichkeit ein und haben einen wesentlichen Einfluss auf das Verhalten in den jeweiligen Situationen – ein regelrechter „Gefühlssupergau“.

Oftmals tritt dann der rationale Verstand, der bei vielen hochsensiblen Menschen stark ausgeprägt ist, in den Vordergrund. Sich keine Blöße zu geben, nicht emotional zu reagieren und zu vermitteln, dass man die Situation „im Griff“ hat, sind häufige Tendenzen.

Auf Dauer kann das jedoch zu sehr ungesunden Symptomen führen. Vor allem dann, wenn man niemanden hat, mit dem man seine tatsächlichen Befindlichkeiten teilen kann.

Wie können Sie als Eltern unterstützen?

Wenn Eltern es geschafft haben, ihre eigene Gefühlswelt zu reflektieren und die meiste Zeit damit im Reinen zu sein, dann ist wohl die beste Unterstützung für ihre hochsensiblen Kinder:

Reden! Reden! Reden! So kurz, so gut.

So wie Berührung des Körpers heilsam ist, so ist es auch möglich, die Seele des Kindes zu erreichen, indem Gefühle erkannt, angesprochen und ernst genommen werden. Das gibt Sicherheit und die Gewissheit „richtig“ zu sein.

Konkret heißt das:

  • Nehmen Sie sich die Zeit und die Ruhe, ihr eigenes Gefühlsleben genauer unter die Lupe zu nehmen. Ist Ihnen bewusst, was sie fühlen? Können Sie darüber reden? Vielleicht erkennen Sie das eine oder andere Muster aus Ihrer Kindheit oder dem eigenen Familiensystem. Sobald wir uns die Mechanismen, die in uns arbeiten bewusst machen, können wir einen entscheidenden Beitrag für Veränderung leisten – bei uns und bei unseren Kindern.

  • Nehmen Sie sich die Zeit gemeinsam mit Ihrem Kind Situationen des Tages zu besprechen bzw. revue passieren zu lassen. Viele Kinder können (noch) nicht von sich aus darüber sprechen, was sie bewegt. Die Art und Weise, wie sie das tun, ist natürlich auch altersabhängig. Ein Ritual, beispielsweise vor dem Schlafengehen, wo der zuvor angesprochene Körperkontakt die Kommunikation über die Gefühlswelt verbindet, ist sehr wertvoll. Ihr Kind spürt Sicherheit und Interesse und Akzeptanz für seine Lebenswelt.

  • Erzählen Sie Ihrem Kind, wie Sie sich fühlen. Lassen Sie es im Lauf des Tages wissen, was und warum in Ihnen vorgeht, natürlich kindgemäß und ohne allzu große Schwere. Es ist in Ordnung, wenn Kinder mitbekommen, dass auch die Mama manchmal traurig, ängstlich oder angespannt ist. Hochsensible Kinder spüren über ihre Antennen jede Stimmung. Auch hier wieder gibt es enorme Sicherheit, das, was von Ihrem Kind ohnehin wahrgenommen wird, zu verbalisieren. Ihr Kind lernt, seine eigenen Wahrnehmung ernst zu nehmen und mit normalen Alltagsstituationen ohne Angst umgehen zu können. Wird über negative Gefühle nicht gesprochen, wird versucht, sie zu verbergen bzw. zu überspielen, können große Ängste, Traurigkeit und Schwere bei den Kindern hervorgerufen werden. Ich kann mich sehr gut daran erinnern, wie sehr es mich als Kind oftmals belastet hat, meine Mama angestrengt und belastet zu erleben. Das hat mich sehr verunsichert.

    Ebenso wichtig ist es, ihrer Freude Ausdruck zu verleihen und alle positiven Gefühle anzusprechen. Es ist ein großes Geschenk für Ihre Kinder, wenn sie – auch verbal – vermittelt bekommen, dass Sie dem Leben sehr viele schöne und fröhliche Aspekte zugestehen. Das gibt Halt und stärkt das Vertrauen ins Leben.

  • Empathische hochsensible Kinder können sich in Lebenswelten unterschiedlichster bekannter und unbekannter Personen einfühlen. Sie nehmen Mechanismen und Hintergründe wahr, die anderen oft verborgen bleiben. Machen Sie sich bewusst, dass im Laufe eines (Schul)tages sehr viele dieser Informationen von Ihrem Kind aufgesaugt werden. Die Verarbeitung solcher Wahrnehmungen kann sich durch unterschiedlichste Gefühle äußern. Traurigkeit, Aggression, Müdigkeit und/oder Unruhe treten auf ohne konkreten Anlass. Es erfordert von Ihnen als Eltern viel Feingefühl wahrzunehmen woher die Stimmung kommt. Wenn Sie solche scheinbar „aus dem Nichts“ und ohne erkennbaren Grund auftretenden Gefühle bemerken, reden Sie mit Ihrem Kind über die Erlebnisse des Tages. In vielen Fällen können Sie heraushören, was Ihr Kind beschäftigt und darauf reagieren. Dem Gefühlsleben Ihres Kindes hilft es oft, einfach nur „verstanden“ zu werden. Hier können Ihre Worte einen wertvollen Beitrag leisten.

    Mein 12 jähriger Sohn meinte – für mich sehr überraschend –  gestern: “Es ist so cool, dass du mich verstehst, Mama!”. Schön, wenn wir neben zahlreichen Emoticons am Computer und im Handy auch noch Worte kennen 🙂

 

 

Wenn die Seele über den Körper spricht – Neurodermitis bei hochsensiblen Kindern

Hochsensibilität ist Ausdruck einer zarten Seele. Einer Seele, der sehr schnell alles zu viel wird. ALLES zu VIEL.

Sensible Seelen leben in sensiblen Körpern, denen es oftmals sehr schwer fällt, sich ausreichend vor dem hektischen Alltag und dem vorherrschenden Zeit- und Anpassungsdruck zu schützen.

Da der hochsensible Körper all die auftretenden Umweltreize nicht ausreichend verarbeiten kann, reagiert er mit Abwehr.

Die Haut als Spiegel der Seele ist wund, rissig und offen für Krankheitserreger.

Das bringt im Alltag sehr viel Leid mit sich, da es in jeder Hinsicht sehr schwer ist, der grenzüberschreitenden Zeit, in der wir leben, die Stirn zu bieten.

Die Leistungsorientiertheit, Schnelligkeit, das getriebene DaSein und die vorherrschenden Normen darüber, was „gesund“ und was „krank“ ist, wie etwas und jemand zu sein hat und sich anzupassen hat, erschweren es ungemein, das eigene Tempo zu leben, gut auf sich aufzupassen und Grenzen zu setzen.

Und genau darum geht es bei unserem größten Organ, der Haut. Sie dient dazu, unseren Körper und den darin wohnenden Geist, unser Wesen, unsere Seele von der Umwelt gesund abzugrenzen.

Verwundete Haut bedeutet Grenzüberschreitung!

Aus eigener leidvoller Erfahrung und Mutter eines hochsensiblen Sohnes mit Neurodermitis habe ich des Öfteren Ratschschläge gehört wie:

“Sei doch nicht so zimperlich!”

oder

“Dann nimm halt Cortison!”

oder

“Hör doch einfach auf zu kratzen!”

Außerdem haben mein Sohn und ich alle nur erdenklichen Mittelchen, Cremen und Tinkturen empfohlen bekommen – langfristig mit immer dem gleichen Effekt: gar keinem!

Medizinische Forschung über das Auftreten von Neurodermitis steckte in meiner Kindheit in den Kinderschuhen.

Aber auch heute wird bei der schulmedizinischen Betrachtung atopischer Dermatitis (der aktuellere, aber nicht so geläufige Begriff) in keinster Art und Weise mit einbezogen, dass es sehr viele äußere Faktoren sind, die das Auftreten bedingen:

  • Der unglaubliche Druck, der in unserer Gesellschaft vorherrscht.
  • Die Erwartung, mit einem als normal angesehenen stressigen (Schul)Alltag umgehen zu können.
  • Die Schnelligkeit, in der sich Alltagssituationen nacheinander abspielen. Man hetzt von der Schule zum Musikunterricht und dann noch zum nächsten und übernächsten Termin ohne zwischenzeitlich inne zu halten.

Der hochsensible Geist, der das alles nicht gut verarbeiten kann, kommt dadurch nicht zur Ruhe. Diese Unruhe kann sich in Neurodermitisschüben, begleitet von unglaublichem Juckreiz, nässenden Ekzemen, Hautinfektionen, Unverträglichkeiten und Allergien zeigen.

Und da physiologisch gesehen Haut, Darm und Lunge eine Einheit bilden, kommen zu dem ganzen Szenario auch oft noch Verdauungsstörungen wie Durchfall, Verstopfung und Blähungen sowie Atemwegserkrankungen, vor allem Asthma, dazu.

Oftmals sind auch jene Kinder, denen Konzentrationsschwäche, Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität zugesprochen wird, von Neurodermitis betroffen. Manchmal aber auch die ganz stillen, die, die alles über ihre zarte Haut aufnehmen und nichts verarbeiten können.

Was also tun? Wie können Sie Ihr Kind, das immer mal wieder oder chronisch an Neurodermitis leidet, bestmöglich unterstützen?

Wenn man Neurodermitis alternativmedizinisch, also ganzheitlich betrachtet, wirken hier demnach

  • die eigene (hochsensible) Veranlagung
  • Umweltfaktoren
  • und letztendlich der eigene Lebensstil zusammen.

Und genau da kann man ansetzen: Das Bewusstsein für dieses Zusammenspiel erleichtert es, damit umzugehen.

Bewusstes Leben heißt, bewusst und achtsam mit sich und seinem Körper umzugehen, wahrzunehmen, was ihm gut tut, wo die eigene Grenze liegt und wo Grenzen zu setzen sind.

Die Bewusstheit fängt bei uns Eltern an und darf unseren Kindern weiter vermittelt werden.

  • Achten Sie auf bewusste, typentsprechende und auf das Hautbild abgestimmte Ernährung. Hier hat Katharina Ziegelbauer in ihren Neurodermitis-Blogartikeln die besten Tipps und Hinweise für Sie und Ihr Kind.
  • Bemühen Sie sich um eine möglichst stressreduzierte und geordnete Umgebung für Ihr Kind. Laut TCM ist die Haut dem Metall Element zugeordnet. Metall steht für Struktur und Klarheit. Ist die Haut wund, kann mit äußerer Struktur das Wohlgefühl verbessert werden, Ihr Kind kann besser zur Ruhe kommen.
  • Achten Sie auf ausreichend Frischluft im Schlaf-/Kinderzimmer. Bei Neurodermitis ist die Lunge genauso wie die Haut von einer Imbalance betroffen. Viel frische Luft und immer mal wieder bewusst auf die Atmung achten, können das Wohlbefinden unterstützen. Leiten Sie Ihr Kind an, die Hände auf den Bauch zu legen und dann mit voller Aufmerksamkeit (ev. mit geschlossenen Augen) in die Hände zu atmen, frische Energie in den Bauchraum zu schicken, von wo sie sich im ganzen Körper verteilt.
  • Reduzieren Sie Stress im Alltag so gut es geht. Wohl eine der größten Herausforderungen, vor allem bei schulpflichtigen Kindern. Versuchen Sie den Zeitplan mit Ihrem Kind zu besprechen und fragen Sie Ihr Kind oft nach seinen Gefühlen und Bedürfnissen. Durch die wunde rissige Haut leidet auch immer der Selbstwert. Deshalb ist es so essentiell, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse in geschützter Umgebung wahrnehmen und ausdrücken zu lernen.
  • Berühren und Streicheln Sie Ihr Kind oft. Berührung nährt Haut und Seele und gerade hochsensible Kinder mit Neurodermitis sprechen sehr gut auf Hautkontakt an. So lernen sie liebevoll ihre „Grenze“ zu spüren. Oftmals helfen auch regelmäßige, sanfte Körperbehandlungen wie beispielsweise Shiatsu, damit die Kinder lernen in ihrem Körper zur Ruhe zu kommen.
  • Versuchen Sie Druck jeglicher Form zu vermeiden. Druck überschreitet die zarte Hautbarriere. Eng sitzende Hosen, Strumpfhosen, Gürtel aber auch Etiketten in Kleidungsstücken werden oft zur Qual.
  • Zu guter Letzt: Machen Sie sich bewusst, dass Ihr Kind durch seine dünne Haut sehr vieles aus seiner Umwelt wahrnimmt, was anderen oft verborgen bleibt – das ist ein großes Geschenk und kann mit Unterstützung den Alltag sehr bereichern.

 

“Berühr mich!” – Wie Körperkontakt das Leben Ihres hochsensiblen Kindes bereichert

“Die Seele kann man nicht anfassen, aber berühren”
(Robert Gampe)

Meine Erfahrung in der Körperarbeit zeigt mir immer wieder den Zusammenhang zwischen Körper und Psyche untrüglich auf. Es ist schön wahrzunehmen, wie positiv hochsensible Kinder auf Berührung reagieren, wie schnell sie darauf ansprechen und wie problemlos Barrieren, die in der Kommunikation vielleicht entstehen, über den Körperkontakt verschwinden. Der eigene Körper wird wahrgenommen, gespürt und kommt zur Ruhe.

Körperkontakt mag simpel klingen, jedoch herrscht heutzutage ein großer Mangel an Berührung vor.

Hochsensible Menschen sind durch ihre Reizoffenheit äußerst „berührbar“. Berührungen werden besonders intensiv wahrgenommen und tragen unmittelbar zu Entspannung und Wohlbefinden bei. Liebevolle Zuwendung vermittelt Sicherheit und Geborgenheit. Ja, natürlich weiß man das – aber ganz ehrlich: Wie oft berühren Sie Ihr Kind oder auch Ihren Partner/Ihre Partnerin? Wie oft werden Sie berührt? Lassen Sie sich berühren?

In unserem Alltag werden technische Geräte wie Computer und smartphones sicher um einiges öfter berührt als Menschen. Auch das berühren Lassen passiert wesentlich mehr über künstlich erzeugte Emotionen, zum Beispiel durch Filme oder Computerspiele, als über den Kontakt mit realen Personen.

Sogar Wissenschafter sprechen heute bereits von chronischer Berührungsarmut. Berührungen sind ein Grundbedürfnis jedes Menschen. Bei Umarmungen schüttet der Körper das Hormon Oxytocin aus, das gegen Stress wirkt. Der Blutdruck sinkt, das Stresshormon Cortisol wird vermindert, Ängste und Schmerzen verblassen.

Die Haut steht in engem Kontakt mit dem Immunsytem, den Nerven und der Psyche. Die Haut spiegelt unsere Seele und über die Haut können wir diese berühren. Vor allem bei hochsensiblen Kindern, die unter Neurodermitis leiden, lindern regelmäßige Berührungen die Anspannung und den Juckreiz enorm.

Die Arbeit mit unterschiedlichsten Kindern hat mir immer wieder gezeigt, dass Berührung und Augenkontakt der Schlüssel dafür sind, dass das, was man sagen möchte, auch ankommt. Die Kommunikationstheorie nennt das die „Beziehungebene“, die unbedingt hergestellt sein muss, damit die „Inhaltsebene“, also die Botschaft, auch vermittelt werden kann. Sobald jemand berührt wird, ist er im Hier und Jetzt.
Es mag manchmal eine Zeit brauchen, bis die Berührung „greift“, vor allem wenn der Geist sehr abgelenkt und sehr bewegt ist, aber wenn der Moment erreicht ist, dann ist es möglich, echten Kontakt herzustellen.
Bei hochsensiblen Kindern ist die Notwendigkeit groß, sie zu „erden“, ins Hier und Jetzt zu holen und den bewegten Geist zu entspannen – Berührung wirkt dabei wahre Wunder.

Bei meinem pubertierenden hochsensiblen Sohn gerate ich momentan oftmals an meine Grenzen. Wenn es mir gelingt, in Konfliktsituationen anstatt in Konfrontation “in Umarmung” zu gehen, merken wir sofort, wie sich die Situation entspannt.

Natürlich hat man es mit Berührungen nicht immer leicht, vor allem im Schulalltag. Allzu oft wird man heutzutage schief angeschaut, wenn man zum Beispiel als männlicher Lehrer eine weibliche Schülerin berührt. Leider ist unsere Gesellschaft hier in eine enorme Schieflage geraten. Wenn man in der U-Bahn sitzend jemanden mit Augenkontakt berührt und anlächelt, trägt bereits diese Geste oftmals zu Missverständnis und Unsicherheit bei: „Was will er/sie von mir?“ „Hab ich was falsch gemacht?“ … Wir sind große Einzelkämpfer geworden und es nicht mehr gewöhnt, einfach nur in Kontakt zu treten, ohne Absicht dahinter.

Der spirituelle Aspekt „Alles ist miteinander verbunden“ bedeutet, dass wir keine getrennten Individuen sind, die ständig auf ihren Vorteil schauen und sich behaupten müssen. Wir können so viel mehr in tatsächlichem Kontakt miteinander erreichen. Reizoffene Menschen, die gelernt haben, sicher in ihrer Mitte zu stehen, leben ständig in Berührung mit der sie umgebenden Umwelt. Und das ist eine große Bereicherung.

Wie können Sie als Eltern unterstützen?

Machen Sie sich bewusst: Berührung ist heilsam! Wenn Sie Ihr Kind berühren, treten Sie mit ihm in Kontakt. Es fühlt sich wahrgenommen und wertgeschätzt. Es mag das natürlichste der Welt sein und trotzdem ist es für viele Eltern sehr schwer, sich auf tatsächliche Berührung mit ihrem Kind einzulassen. Vielleicht weil man selbst nie die Macht der Berührung wahrnehmen durfte oder sich aus unterschiedlichsten Mustern heraus damit schwer tut. Wenn Sie Ihr Kind berühren, berühren Sie sich selbst.

Manche sehr unruhige Kinder brauchen oftmals ein bisschen Zeit, sich auf Berührung einlassen zu können. Auch hier ist es ganz wichtig, das eigene Tempo des Kindes zu respektieren, damit Berührung positiv, heilsam und beruhigend erlebt werden kann. Gerade bei unruhigen Kindern ist es sehr wichtig, zunächst einmal Raum zu schaffen, in dem ein zur Ruhe kommen und Entspannen möglich ist.

Konkret heißt das:

  • Nehmen Sie sich ab und zu gemeinsame Auszeiten, legen Sie sich mit Ihrem Kind auf die Couch oder ins Bett oder gehen Sie einfach mal Hand in Hand spazieren.
  • Machen Sie Berührung zu einem Ritual, zum Beispiel vor dem Schlafengehen. Ihr Kind kommt zur Ruhe und fühlt sich sicher.
  • Haben Sie auch in Alltagssituationen keine Angst vor Berührung. Legen Sie Ihrem Kind öfters mal die Hand auf den oberen Rücken. Das bedeutet, dass Sie es unterstützen, da sind und ihm „den Rücken stärken“.
  • Wenn Sie möchten, dass das, was Sie sagen, auch wirklich ankommt, achten Sie auf Augenkontakt, am besten gemeinsam mit einer Berührung der Schulter oder des Armes. Sie tragen damit wesentlich dazu bei, dass Anspannung abfällt und Ihre Worte integriert werden.
  • Nehmen Sie sich ab und zu die Zeit, ihr hochsensibles Kind zu massieren. Fragen Sie es, wo mögliche Verspannungen sitzen. Sie tragen so entscheidend dazu bei, dass Ihr Kind lernt, in seinen Körper hineinzuspüren und Signale zu deuten. Vielen Kindern macht es auch großen Spaß, die Eltern zu massieren. Sie werden überrascht sein, wie gut Ihr Kind hinspüren kann und dabei lernt, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.

 

Gastbeitrag von Kinesiologin Katharina Welan: “Dein inneres Kind”

Katharina ist Kinesiologin für hochsensible Menschen. Ihr Anliegen ist es, Menschen mit hochsensibler Veranlagung in ihre Stärke zu führen. Die Beschäftigung mit dem eigenen inneren Kind, das jeder Erwachsene mit sich trägt, ist dabei ein wesentlicher Aspekt. Um den Kontakt dazu wieder herzustellen, fertig Katharina wundervolle “innere Kind Puppen” an. Für uns (hochsensible) Erwachsene lohnt es sich auf jeden Fall, sich damit auseinanderzusetzen – umso mehr, wenn wir ein eigenes (hochsensibles) Kind haben 🙂 Viel Freude beim Lesen!

 

Katharina Welan: “Dein Inneres Kind”

Was bedeutet „Inneres Kind“?

Das Innere Kind ist eine Perspektive der eigenen inneren Erlebniswelt. Es symbolisiert alle Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen aus deiner Kindheit, die alle in deinem Gehirn gespeichert sind.

Gerade wir hochsensiblen Menschen haben als Kind vielleicht Situationen erlebt, in denen wir Kränkungen erfahren haben, die schmerzvoll waren, voll Ablehnung, vielleicht sogar Misstrauen und Unverständnis gegenüber unserer Wesensart. Wenn du das als Kind erlebt hast, dann kann es sein, dass dein „Innerer Erwachsener“ sich vor diesem Schmerz immer noch schützen möchte. Doch durch diese Ablehnung, schützt man sich nicht nur vor dem Schmerz, sondern man versperrt sich dadurch den Zugang zu den positiven Gefühlen. Das abgelehnte Innere Kind empfindet sich durch diese Ablehnung als unzulänglich, nicht liebenswert und schlecht. Es ist erfüllt von Scham und Schuld. Als Erwachsener kann man dann z.B. nur sehr schlecht Kritik annehmen oder macht andere für sein eigenes Glücklichsein verantwortlich.

Im Fokus der Arbeit mit dem Inneren Kind stehen die Heilung deiner damals entstandenen seelischen Verletzungen und Wunden und das Erkennen der überholten oder falschen Glaubens- und Lebensmuster.

Hast du erst einmal Zugang zu deinem Inneren Kind, dann ist die Wirkung enorm. (Folgende Erfahrungen durfte ich selbst machen):

  • Dein Selbstwert und deine Selbstliebe steigen
  • Du übernimmst selbst Verantwortung über dein Leben
  • Du bekommst wieder Zugang zu Lebensfreude, Spontanität, Kreativität, Neugierde, Begeisterungsfähigkeit, Intuition uvm
  • Es fällt dir leichter „nein“ zu sagen, weil du in deiner Kraft bist
  • Du kannst dir selbst Trost und Zuwendung geben, wenn du traurig bist
  • Du kannst auch im „Jetzt“ leben
  • Du kannst wieder deine gesamte Gefühlspalette leben
  • Das Leben wird wieder spannender

Ziel ist, den Herausforderungen des Lebens selbstverantwortlich und selbstkompetent zu begegnen und die Beziehung zu sich selbst und anderen liebevoll zu gestalten. Das gelingt durch eine liebevolle Beziehung zwischen dem Inneren Kind und dem Inneren Erwachsenen. (Mehr Infos: vgl. Wikipedia/Innere Kind)

Ich bin Kinesiologin für hochsensible Menschen. In den Sitzungen erlebe ich häufig, dass der Zugang zum eigenen Inneren Kind verschüttet ist. Das sind häufig Menschen, die mit sich selbst nicht im Reinen sind und sich z.T. sogar stark ablehnen (z.B. den eigenen Körper). Sie nehmen häufig ihre Bedürfnisse von Körper, Geist und Seele nicht wichtig und können sie oft gar nicht mehr fühlen. Sie suchen das Glück im Außen und geben und geben und geben und doch ist es nie genug um so selbst inneres Glück zu erfahren. Sie nähren um genährt zu werden. Hier kann die Versöhnung mit dem inneren Kind ein wahrer Segen sein.

Um diese Verbindung mit dem Inneren Kind „handgreiflich“ zu machen, hatte ich die Idee, individuelle Innere Kind-Puppen herzustellen. Mit so einer Puppe fällt es leichter, dem eigenen Inneren Kind zuzuhören, mit ihm zu reden, für es zu sorgen und es im Arm zu halten. Durch die Zuneigung zur Puppe werden erste zarte Bande mit dem Inneren Kind geknüpft, bis sich eine starke, liebe- und vertrauensvolle Beziehung entwickelt hat.

Sehr wirkungsvoll ist es auch, wenn du deine eigene Innere-Kind-Puppe selbst gestaltest. Im Rahmen eines eintägigen Workshops hast du die Möglichkeit dazu!

Der nächste Termin ist am Donnerstag, 26.5.2016 (Feiertag). Dieser Workshop ist ganztägig. Du modellierst deine eigene innere Kind Puppe, ich stehe dir mit Rat und Tat zur Seite. Wir konzentrieren uns auf das Anfertigen der Puppe. Es geschieht keine „Reise zum inneren Kind“, keine Auseinandersetzung mit Geschehnissen aus deiner Kindheit o.ä. Das können wir gerne im Rahmen eines kinesiologischen Coachings machen.

Nähere Informationen findest du auf meiner Webseite: www.wunderbareswesen.at (bitte am rechten Rand auf den Workshop klicken).

**Wenn du bis Sonntag, 10.4.2016 mit dem Kennwort „Hochsensibel“ buchst, erhälst -10% Frühbucherbonus auf die gewählte Variante!**

Mehr über mich:

Was Hochsensibilität für mich bedeutet:

Das Gefühl „anders“ zu sein, begleitet mich schon mein Leben lang. Und ich wollte immer verstehen und ergründen, warum ich genau so bin und nicht wie die anderen.

Im Laufe meiner persönlichen Entwicklung habe ich meinen besonderen Wesenszug lieben gelernt. Ein wichtiger Schritt dabei war die Erkenntnis „mit“ ihr statt „gegen“ sie zu leben. Meine Innere Kind-Puppe hat mich da sehr stark unterstützt!

Nach und nach fand ich die Antworten zu Fragen wie: Welcher meiner Stärken machen mich besonders? Wie kann ich meine Ideen, meine Kreativität und meinen Pioniergeist verwirklichen? Und welche Bedürfnisse haben mein Geist, mein Körper und meine Seele? Wie kann ich sie am besten nähren?

Nun möchte ich meine Erfahrungen und mein Wissen weitergeben und hochsensible Menschen ermutigen, ihren besonderen Wesenszug als Potenzial wahrzunehmen und sich dabei voll zu entfalten.

Kinesiologisches Coaching

Wie so eine Coaching genau abläuft, erfährst du in diesem kurzen Video auf meiner Webseite: www.wunderbareswesen.at

Deine individuelle Innere Kind-Puppe:

http://www.wunderbareswesen.at/ikp.html

Aktuelle Angebote findest du hier: https://www.facebook.com/wunderbareswesen

Meditationen findest du auf meinem You-Tube-Kanal:

https://www.youtube.com/channel/UCjQupZmo5iPjX78OJa7FeOQ

Meine Austauschgruppe (on- und offline) für hochsensitive Menschen in Wien:

https://www.facebook.com/groups/hochsensibelinwien

Was mir hilft, meinen hochsensiblen Sohn im Schulalltag besser unterstützen zu können

Elterngespräch. Ich sitze einer Lehrerin meines Sohnes gegenüber. Noch bevor sie etwas sagt, fühle ich mich unverstanden. Außerdem fühle ich das Unverständnis meinem Sohn gegenüber. Ja, er ist anders. Ja, er findet sich mit diesem System nicht gut zurecht – nicht so wie sie, die Lehrerin, es sich wünscht. Ich fühle Wut, Zorn und großen Widerstand.

Genauso ging es mir sehr oft. Dieser unendliche Widerstand gegen ein nicht förderliches System. Gegen Unverständnis, gleich-machen und gleich-haben wollen habe ich permanent angekämpft.

Meinem Sohn und mir hat dieser Widerstand nur eines gebracht: Schwierigkeiten mit dem Alltag, so wie er ist, umzugehen. Ich habe so viel mit der Situation gehadert, dass es unumgänglich war – vor allem um meinen Sohn wirklich unterstützen zu können – Wege und Möglichkeiten zu finden, damit umzugehen.

Als ehemalige Lehrerin kenne ich Grenzen und Möglichkeiten auf schulischer Seite und als Mama ist es mir ein unendliches Bedürfnis, meinem Sohn einen stressfreien, verständnisvollen und gut erträglichen Schulalltag zu ermöglichen.

Ich bin immer noch permanent am Üben und Ausprobieren, aber folgende Herangehensweisen haben mir sehr geholfen, mir und meinem Sohn den Alltag zu erleichtern:

  • Ich lerne loszulassen. Meinen Sohn und seinen Schulalltag. Lange hatte ich das große Bedürfnis, ihn zu schützen vor der bösen, großen Welt da draußen, vor einem System, hinter dem ICH nicht stehen kann. Ich habe verstanden, dass er SEINEN Weg geht, auf dem ich ihn nur begleiten darf.
  • Ich lasse meinen Sohn (natürlich nur manchmal) auf gut Wienerisch “anrennen”. Das heißt, auch wenn ich weiß, dass er zum Beispiel seine Schulsachen noch kreuz und quer herumliegen hat und das am nächsten Tag in der Früh zu großem Stress beiträgt, diese noch ordentlich einzupacken, erinnere ich ihn nicht mehrmals daran. Wenn die Stresssituation dann vorbei ist, gelingt es mir immer öfter, ihn ruhig zur Seite zu nehmen und Verständnis dafür zu bekommen, wie wichtig es für ihn ist, sich vorher darum zu kümmern, um Stress zu vermeiden.
  • Ich bemühe mich sehr, keine negativen Kommentare zum Schulalltag oder zum Schulsystem überhaupt abzugeben. Das fällt mir oft sehr schwer, weil ich sehr viel Problematisches dabei wahrnehme. Aber ich habe stark gemerkt, wie sehr mein Sohn sich von meiner Negativität anstecken und leiten lässt. Und das hilft ihm in seinem Alltag in keinster Art und Weise weiter.
  • Ich lasse zu, dass er anders ist. Anders als ich. Auch wenn ich mich noch so sehr in ihm sehe, ist es mir bewusst, dass ich manchmal zu Überidentifikation neige.
  • Ich versuche, nicht allzu sehr in den Alltag meines Sohnes einzugreifen, auch wenn ich diesen als sehr stressig empfinde. Wenn mein Sohn sich beispielsweise in den Kopf setzt, 3mal pro Woche Fußball spielen zu gehen und sich zusätzlich für das Fußballmatch des Vereins am Wochenende anmelden möchte, lasse ich es zu, ohne zu sehr darunter zu “leiden”, weil dieser Zeitplan MIR zu viel wäre (Überidentifikation:-). Ich merke, dass mein Sohn selbst nach und nach ein Gefühl dafür bekommt, was gut für ihn ist. Je älter unsere (hochsensiblen) Kinder werden, desto mehr dürfen wir ihnen die Entscheidungen überlassen – auch wenn wir es anders tun würden.
  • Ich versuche in ruhigen, entspannten Situationen Themen aufzugreifen, die meinem Sohn bei der Strukturierung und Stressreduktion seines Alltags helfen können. Das kann beim Abendessen sein oder auch einmal zwischendurch. Besonders gut gelingt mir der Zugang, wenn ich meinen Sohn dabei berühre, streichle oder massiere. Ich mache die Erfahrung, dass sehr viel von diesen Gesprächen “hängen bleibt” und den Alltag erleichtert.
  • Und zu guter Letzt ein Thema, über das viel diskutiert wird: Wann und wie spreche ich die Hochsensibilität meines Kindes bei LehrerInnen an und macht das überhaupt Sinn? Die wichtigste Frage, die ich mir dabei stelle ist: Was will ich erreichen? Meine Antwort war oft: Ich möchte Verständnis. Verständnis und Berücksichtigung der Bedürfnisse meines Sohnes. Ein schwieriges Unterfangen, wo doch das Wissen über hochsensible Eigenschaften im Schulsystem noch am Anfang steht. LehrerInnen, die “verstehen”, tun dies auch ohne Erklärung, einfach weil sie Bedürfnisse erkennen und bestmöglich reagieren. Und bei jenen LehrerInnen, die nicht verstehen können, worum es bei Hochsensibilität geht, ist es sicher wertvoll, Hinweise auf homepages und Bücher zu geben – ohne den Anspruch, Verständnis zu bekommen. Verständnis für etwas, das man nicht kennt, nicht spürt und sich vorstellen kann, ist sehr schwierig. Ab nächstem Jahr darf ich in der LehrerInnenfortbildung in Wien einen Beitrag dazu leisten 🙂

Ich habe gelernt, ruhig zu bleiben, durchzuatmen, da wo es geht sanft einzugreifen und darauf zu vertrauen, dass mein Sohn SEINEN Weg geht – und manchmal gelingt es mir schon ganz gut…