Mein hochsensibles Schulkind steht unter Dauerstrom – wie kann ich es erden?

Unsere hochsensiblen Kinder haben tausende Antennen. Für alles. In einem Alltag, der auf “Schneller – Höher – Lauter – Weiter” ausgerichtet ist, fällt es umso schwerer, diese Antennen auf BEWUSSTEN Empfang einzustellen. Vielmehr passiert es sehr oft, dass das ungefilterte und dauerhafte Empfangen von Signalen zu Dauererregung eines hochsensiblen Kinderkörpers führt.

Hohe Reizbarkeit, Wutausbrüche, Aggression und emotionale Achterbahnfahrten sind die Folge. Viele Eltern hochsensibler Kinder wissen das und versuchen dieses Szenario auszugleichen, indem sie besonders bemüht sind, ihrem hochsensiblen Kind sportliche Aktivitäten, Musikangebote, Theaterbesuche oder dergleichen zu bieten.

Vor allem Sport kann ein sehr gutes Mittel sein, um die vermehrt ausgeschütteten Stresshormone eines hochsensiblen Körpers abzubauen. Das Lernen eines Musikinstruments ist eine sehr gute Möglichkeit, den ständig bewegten Geist zur Ruhe zu bringen und ein Theaterbesuch oder ein Besuch bei guten Freunden kann sehr bereichernd für die hochsensible Seele sein.

ABER VORSICHT!

Jede dieser Situationen birgt die Gefahr weiterer Überreizung.

Nach einem anstrengenden Schultag, der für viele Kinder bis in den späten Nachmittag dauert und tausenden Eindrücken, die bis dahin schon den hochsensiblen Körper und Geist erreicht haben, kann jede zusätzliche Aktivität statt gewünschtem Ausgleich das Gegenteil bewirken und das Verarbeiten des Alltags noch mehr erschweren.

Es erfordert sehr viel Feingefühl, hier die Grenze zu ziehen und seinem Kind sowohl essentielle Anreize als auch bewusste Ruhephasen zu ermöglichen. Es ist sehr wertvoll, möglichst früh damit zu beginnen, seinem hochsensiblen Kind diese notwendige Balance im Alltag nahezubringen.

Hier ein paar Möglichkeiten, wie Sie Ihr Kind bestärken, immer wieder hinzuspüren:

  • Geben Sie Ihrem Kind nach einem anstrengenden Schultag genug Zeit, um zu Hause anzukommen. Fragen wie:” Wie war es heute in der Schule?” und “Hast du deine Jause gegessen?” können und wollen von einem überanstrengten Geist nicht beantwortet werden. Ein gutes Essen, ein warmer Tee und einfach die Möglichkeit in Stille und im eigenen Tempo anzukommen, wirken Wunder, damit der bewegte Geist im Körper zur Ruhe kommt.
  • Geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, den Rest des Tages selbst zu planen und zu strukturieren. Natürlich brauchen kleinere Kinder hier noch etwas mehr Anleitung, aber so lernen hochsensible Kinder schon früh in sich hineinzuspüren und wahrzunehmen, wie sich ihr Energiehaushalt anfühlt. Lassen Sie Ihr Kind immer wieder ansprechen, wie es sich fühlt. Das mag am Anfang ein bisschen schwierig sein, aber je öfter Kinder damit konfrontiert werden, in sich hineinzuspüren, desto öfter werden sie Worte dafür finden. Damit können Sie Ihrem Kind schon frühzeitig helfen, sich nicht selbst zu überfordern.
  • Berühren Sie ihr hochsensibles Kind so oft es geht und so oft es das zulässt. Hochsensiblen Kindern fehlt oft das, was wir Erdung nennen. Durch Berührungen holen wir ihren bewegten Geist in ihren Körper zurück und helfen ihnen so immer wieder im Alltag anzukommen und sich zu entspannen.
  • Manchen Kindern (auch Erwachsenen) macht es Spaß, am Abend, bevor sie ins Bett gehen, die “Schüttelübung” zu machen. Dazu stellen sie sich hüftbreit und die Knie etwas gebeugt auf den Boden und beginnen nun aus den Knien heraus, ihren ganzen Körper durchzuschütteln. Dabei können Sie Ihr Kind anleiten, alles was es tagsüber aufgenommen hat und nicht mehr braucht, in den Boden zu schicken. Dabei können vor der Übung 2 Fragen unterstützen: “Was hat dir heute am Besten gefallen?” und “Was hat dir gar nicht gefallen?” – das, was nicht gut war, darf einfach abgeschüttelt werden.

Viel Erfolg und eine schöne ruhige Zeit mit Ihrem Kind!

…und heute wär ich gern “normal”!

So. Alltag.

6:00 Uhr aufstehen. Keine Zeit für Yoga oder einen anderen Tagesbeginn, um anzukommen.

Jede Stufe, um ins Zimmer meiner Kinder zu kommen, ist eine Herausforderung.

#Warum nur können Schulen keine Gleitzeit haben….verdammtes System!!!#

Der Versuch eines munteren, gelösten “Guten Morgen, meine Schätze”. Es zerreißt mir das Herz, zu sehen, wie ich sie aus ihrem friedlichen Schlaf in die Realität rufen muss. Mein Sohn wacht mit den Worten auf: “Aaaaah, ich hab heut`Schularbeit!”

#Warum nur dürfen meine Kinder nicht in ihrem Tempo und ohne den Druck, abrufbare Leistung erbringen zu müssen, aufwachen?#

2 Katzen machen sich lautstark bemerkbar und folgen mir bis in den hintersten Winkel, meine Beine umschmeichelnd, um endlich ihr leibliches Wohl befriedigt zu bekommen.

#Warum nur kann man Leben nicht auch nur aus Schlafen, Fressen und Kuscheln bestehen?#

6:15 Uhr. Stress ist schon aufgestanden. Das Trampeln meines Sohnes, der widerwillig sein warmes Bett verlassen muss. Ich halte meine eigene Stimme nicht aus, als ich meiner Tochter erneut zurufe, sie soll endlich aufstehen. Für ein nochmaliges Stiegenklettern fehlt mir die Kraft.

Es ist noch dämmrig und still draußen. In mir drinnen kämpft der Lärm mit dem Widerstand.

Ich versuche ein “normales”: “Was wollt ihr denn frühstücken?” und bekomme Antworten, die ich nicht hören will.

#Warum nur kann ich meinen Kindern nicht einfach ihr Nutella, kalte Milch und Zuckermüsli hinstellen ohne sofort mit meinem schlechten Gewissen darüber, wie schlecht das vor allem für meinen hochsensiblen Sohn mit Neurodermitis und starken Konzentrationsschwierigkeiten ist, konfrontiert zu werden?#

6:40 Uhr. Draußen ist es immer noch ruhig. In mir tobt es. Meine Kinder können nicht aufhören ihren eigenen morgendlichen Widerstand aneinander mit mir verhassten Worten und Gesten zum Ausdruck zu bringen.

Mein frischgeduschter Mann geht an mir vorbei und ich werde wütend darüber, dass ihm dieser Alltagsstress/ Trott scheinbar nichts ausmacht. Ich schnauze ihn an, dass er doch die Mitteilungshefte der Kinder noch kontrollieren soll. “Ja klar, mach ich!”

#Wie kann man in so einem überfordernden Alltag, in einem System, das so unendlich viel fordert, nur so gelassen sein…verdammt, ich will das auch!!#

Ich bereite die Jausenbrote vor. Die Unordnung am Frühstückstisch ist eine Belastung für mich. An das Chaos im Zimmer meiner Kinder und im Badezimmer will ich nicht denken. Feng Shui ade. Die Anspannung der Kinder tut mir weh.

#Ist es meine?#

Mein Sohn wiederholt in einer Tour: “Sch…ich hab´heut´Schularbeit!” Dabei juckt es ihn am ganzen Körper. Ich überlege, ihm eine von den mir verhassten schulmedizinischen Tabletten zu geben, damit der Juckreiz nachlässt und er “konzentrationsfähig” wird.

Meine Tochter braucht, 1 Minute nachdem sie das Haus verlassen sollte, unbedingt noch MEIN neues T-shirt.

Ich versuche mit meinem unruhigen Geist meinen unruhigen Sohn zu beruhigen. Wir beide belasten uns in diesem Moment wohl mehr gegenseitig.

7:15 Uhr. Ich bin froh, die Kinder ins Auto meines Mannes zu entlassen. Ich weiß, dort kommen sie zur Ruhe.

Ich bin erschöpft und lasse mir den letzten Satz meines Sohnes noch einmal durch den Kopf gehen: “Jetzt sei nicht immer so genervt, Mama!”

Ich weiß so viel darüber, wie es ist als hochsensibler Mensch im Alltag zu leben, ich rede darüber, ich schreibe darüber, gebe meinen KlientInnen Tipps und glaube doch ganz schön oft, dass ich mein hochsensibles Leben gut im Griff habe und meine Veranlagung schätzen kann, aber:

…heute wär ich gern “normal”. Und tue mir selber leid.