Zusammen – oder doch alleine?

“Ich liebe es alleine zu sein. Meine Gedanken zu ordnen, meine Umgebung zu ordnen. Zur Ruhe zu kommen. ICH zu sein und nur MICH zu spüren.

Sobald jemand bei der Türe hereinkommt, spüre ich diese Energie um mich herum. Ich fange an, mich zu verlieren. Ich spüre den anderen Menschen oft direkt in meinem Körper und wenn ich nicht aufpasse, hüllt mich diese Energie total ein. Ich existiere durch den anderen, missachte meine Bedürfnisse, erlebe enormen Stress, wenn die Energie meines Gegenübers eine schnelle, aggressive oder laute ist.

Ich liebe es ebenso, mit meinem Partner und meiner Familie zu sein, Freunde um mich zu haben. Ich komme kaum zur Ruhe. Ich spüre alles um mich herum. Jedes Bedürfnis – und vor allem Kinder haben so viele – wird zur Herausforderung.

Und trotzdem liebe ich beide Seiten an mir. Die eine, die mich zur Ruhe kommen lässt. Die andere, die mich unendlich fordert.

Der Kampf in meinem Inneren ist zur Gewohnheit geworden, doch ich habe mich entschieden, ihn zu leben, die Herausforderung anzunehmen, anstatt mich unter eine Glasglocke zu begeben.

Solange ich mich nicht überfordere, kann ich wachsen – mir hilft es, mit meinem Umfeld über meine Veranlagung zu reden, mir Auszeiten zu gönnen und vor allem zu akzeptieren, dass “ich eben genauso bin”…trotzdem verlange ich oft noch zu viel von mir, überfordere meinen Geist und meinen Körper…

Die notwendige Balance zu finden ist eine riesige Herausforderung und ein schmaler Grat, und doch spüre ich, dass es sich lohnt, ihn zu gehen…”

 

– frei sein –

Ich mache mir in letzter Zeit sehr viele Gedanken über das “frei Sein”, die “Freiheit” und wie das mit einem Leben heutzutage hier vereinbar ist.

“Gedanken sind frei” und “Freiheit beginnt im Kopf” sind Ansätze, die sicher stimmen. Gedanken können Berge versetzen und wenn mein Kopf frei ist, dann ist es egal, wo und in welcher Enge ich mich gerade befinde.

Ich habe es begriffen – im Kopf – auch verstanden. Nur verinnerlicht (noch) nicht.

Ja, ja und ja – ich halte unglaublich viel davon, sich sein Leben nach seinen Vorstellungen gestalten zu können. Für hochsensible Menschen ein Muss, dem Leben einen tieferen Sinn zu geben. Ein Geschenk, das tun zu können. Heute mehr als vor 100 Jahren.

Und trotzdem: es gehört unglaublich viel Mut dazu, so zu sein, wie man ist. Kein schlechtes Gewissen zu haben, seinem Drang, frei zu sein von Vorgaben und Systemen, die man nicht nachvollziehen kann, nachzugeben. Es gehört unglaublich viel Selbstbewusstsein dazu, sich vom Unverständnis anderer nicht beeinflussen zu lassen. Es gehört Schmerz dazu, zu erkennen, dass ein angenehmes Leben, nicht das ist, was einen als hochsensibler Mensch weiter bringt und die Seele lernen lässt. Es gehört tiefes Erkennen des eigenen SEINS dazu, sich dem hinzugeben, was tief drinnen spürbar ist.

Unsere Zeit, unsere Systeme, die gerade einmal beginnen, an der Oberfläche zu zerbersten, bieten nicht den Raum, den es braucht, sein Ding wirklich durchzuziehen. Der oftmals geforderte Kompromiss beschert schlaflose Nächte darüber, wo Egoismus beginnt und Kompromissbereitschaft aufhört.

Erst wenn ich spüre, dass meine Selbstverantwortung, die kompromisslose Treue mir selbst gegenüber und der Mut zu stetiger Veränderung, das ist, was wir alle brauchen, um zu wachsen, erst dann kann ich frei sein. Ich leide nicht mehr in der Welt und mit der Welt. Ohne schlechtes Gewissen, aber mit der Überzeugung, auch andere in die Freiheit zu führen.

Eine unglaubliche Herausforderung!

Zusammenhang von Autismus und Hochsensibilität?

Version 3

Ich stimme Elaine Aron gänzlich zu bei diesem Interview vor einiger Zeit. Mit der einzigen Ausnahme, dass ich es, entgegen ihrer Aussage, in jedem Fall für möglich halte, dass Autismus und Hochsensibilität zusammenhängen (können).

Autistische Menschen

  • nehmen sehr viele Details wahr.
  • fühlen sich in sozialer Interaktion schnell überfordert.
  • sind sehr schnell gestresst bei zu viel Lärm und zu vielen Menschen.
  • haben eine Abneigung “smalltalk” gegenüber.

Nur einige Eigenschaften, die sich mit jenen hochsensibler Menschen decken.

Jedoch ist dann da noch folgendes Problem: Autistischen Menschen wird oftmals das Vermögen, sich in andere hineinzuversetzen und in sozialen Situation angemessen zu interagieren, aberkannt.

Die Wissenschaft ist uneinig.

Ich möchte hier noch folgende Worte eines Briefes von meiner autistischen Schülerin Katharina (15 Jahre, Asperger Syndrom) zitieren. Als ich den Brief bekam, war ich längere Zeit im Krankenstand und mit ihr lediglich in telefonischem Kontakt:

“. . . Deshalb brauch ich dich, und du fehlst mir so sehr! Mit den anderen Lehrern und auch alleine schaffe ich das einfach nicht! Ich kann meine Probleme nur mit dir als einzige lösen, weil du mir ein vertrauenes Gefühl von dir für mich zeigst! Also bitte bitte ruhe dich ganz fest aus, damit du dieses Jahr noch kommen kannst, und solange ich auch noch hier bin, falls ich wieder mit wem Probleme habe,dass du auch wieder „meine Probleme lösen kannst, damit es mir für dieses 2 Semester (noch dieses Jahr) gut gehen kann mit dir“! Aber trotzdem wünsche ich dir nur gute gute Besserung und ich würde dir einen Tipp geben: Entweder du könntest dir Schlaftabletten besorgen,damit du auch die ganze Nacht durchschlafen kannst, ohne dass du ständig in der Nacht wach wirst, oder du tust irgent etwas gegen deine Krankheit, dass du vielleicht gegen sowas „Medikamente“ besorgen und nehmen könntest! Oder du besorgst wieder das Silberwasser was dir letztes mal bisschen geholfen hat! Ich wünsche dir noch alles gute,und werde bitte schnell wie möglichst gesund. Ich hab dich lieb! Deine Cat.”

(Anmerkung: mit Katharinas Erlaubnis gepostet)